Vorhofflimmern: Pulmonalvenen-Ablation plus renale Denervierung eine Option?

  • Heart Rhythm Society/USA

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei Patienten mit Vorhofflimmern und Bluthochdruck verstärkte eine renale Denervierung die antiarrhythmische Wirkung einer Pulmonalvenen-Ablation. 

Hintergrund

In Bluthochdruck-Studien wurde beobachtet, dass eine Blutdruck-Senkung bei manchen Patienten mit weniger Vorhofflimmern  einherging. Da bei Vorhofflimmern und beim Bluthochdruck ein aktivierter Sympathikus eine Rolle in der Pathogenese spielt, lag der Gedanke nahe, eine konventionelle Pulmonalvenen- Ablation mit einer renalen Sympathikusdenervierung zu kombinieren.

Design

An der Phase-3-Studie (ERADICATE-AF) nahmen 302 Patienten (Frauenanteil 40 %) mit symptomatischem paroxysmalem Vorhofflimmern und Hypertonus teil. Ihr Blutdruck betrug unter antihypertensiver Medikation mindestens 130/80 mmHg. Im Mittel lag er zu Beginn der Studie bei 150/90 mmHg, war also suboptimal eingestellt. Die Studie war einfach verblindet. Bei 148 Patienten wurde allein eine Plumonalvenen-Ablation vorgenommen, bei 154 zusätzlich eine renale Denervierung.

Hauptergebnisse

  • Die renale Denervierung verstärkte offenbar die antiarrhythmische Wirkung der Pulmonalvenen-Ablation. Die relative Risikoreduktion beim primären Endpunkt „kein erneutes Vorhofflimmern innerhalb von 12 Monaten ohne Antiarrhythmika“ betrug 43 Prozent (absolute Werte: 56,5 Prozent versus 72,1 Prozent; HR: 0,57; 95% CI: 0,38 - 0,85; p = 0,004). 
  • Berechnungen ergaben eine NNT (number needed to treat) von rund 6, um ein erneutes Vorhofflimmern innerhalb eines Jahres zu verhindern.
  • Der Blutdruck sank in der Gruppe mit kombinierter Ablation um 16/11 mmHg, in der Gruppe mit allein der Pulmonalvenen-Ablation dagegen nur um 2/2 mmHg.
  • Keine signifikante Differenz gab es den Autoren zufolge bei den Komplikationsraten (4,5 % in der Gruppe mit beiden Eingriffen versus 4,2 % in der Gruppe mit allein der Pulmonalvenen-Ablation).

Klinische Bedeutung

Nach Einschätzung der Studien-Autoren zeigten die Ergebnisse, dass bei Bluthochdruck-Patienten mit Vorhofflimmern die Kombination der Pulmonalvenen-Ablation mit einer renalen Denervierung die antiarrhythmische Wirkung der Venen-Ablation noch verstärken könne, ohne dass die Komplikationsrate steige. Die kombinierte Therapie könne daher für diese Patienten-Population eine bedenkenswerte Option werden. Es handelt sich aber bislang nur um eine Studie mit relativ kurzer Beobachtungszeit, die außerdem noch nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht worden ist. Zu beachten ist zudem, dass auch die Kombinations-Therapie kein antiarrhythmisches Allheilmittel war. Die Rezidiv-Rate betrug immer noch fast 30 Prozent. Außerdem stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller sei, die konservative antihypertensive Therapie zu optimieren, bevor eine invasive Therapie wie die renale Denervierung vorgenommen wird. Untersucht wird daher auch, was mit einer aggressiven Blutdruck-Therapie, aber ohne renale Denervierung bei Patienten mit Vorhofflimmern gegen die Herzrhythmusstörungen bewirkt werden kann. Eine weitere zentrale Fragen lautet, ob auch Patienten mit Vorhofflimmern, aber ohne Bluthochdruck von der kombinierten Therapie profitieren. 

Finanzierung: Meshalkin Research Institute of Pathology of Circulation.