Vorhofflimmern: Katheterablation wie Antiarrhythmika eine geeignete Therapie


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Katheter-Ablation schützt beim symptomatischen Vorhofflimmern zwar nicht besser vor Schlaganfällen als Antiarrhythmika, verbessert jedoch signifikant mehr die Lebensqualität. Bei relativ vielen Patienten muss die Ablation jedoch wiederholt werden.

Hintergrund

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. In Deutschland sind etwa zwei Millionen Menschen betroffen, überwiegend ältere Menschen. Um der wichtigsten Komplikation, einem thromboembolischen Schlaganfall vorzubeugen, stehen Gerinnungshemmer, Antiarrhythmika und Katheterablations-Verfahren zur Verfügung. 

Design

Offene und randomisierte Studie mit 2204 Patienten, bei denen symptomatisches Vorhofflimmern diagnostiziert worden war. Bei den Teilnehmern handelte es sich entweder um Patienten, die über 65 Jahre alt waren, oder um maximal 65 Jahre alte Patienten, die mindestens einen Schlaganfall-Risiko-Faktor hatten. 946 (43%) hatten paroxysmales Vorhofflimmern, 1256 (57%) persistierendes. Die mediane Beobachtungszeit betrug knapp 49 Monate; 1968 (89%) der Patienten beendeten die Studie.  Verglichen wurden Katheterablation (pulmonare Venenisolation, n = 1108) und Therapie mit Antiarrhythmika  (Rhythmus- und Frequenz-Kontrolle, n = 1096).

Primärer Endpunkt war die Kombination von Tod, Schlaganfall mit Behinderung, ernsthafte Blutung oder Herzstillstand) nach 12 Monaten.

Primärer Co-Endpunkt war die Lebensqualität nach einem Jahr, quantifiziert anhand von zwei Scores - AFEQ und MAFSI (Atrial Fibrillation Effect on Quality of Life score und Mayo AF-Specific Symptom Inventory frequency score).

Hauptergebnisse

  • Beim primären kombinierten Endpunkt erwies sich die Katheterablation der Medikation nicht als überlegen. Die ITT-Analyse (Intention to Treat) ergab für den primären kombinierten Endpunkt (Tod, Schlaganfall, Blutung, Herzstillstand) in der Ablation-Gruppe einen Wert von acht Prozent und in der Medikations-Gruppe einen Wert von 9,2 Prozent. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant (HR 0,86, CI 0,65-1,15; p = 0,30).
  • Keinen signifikanten Unterschied gab es auch bei der Gesamt-Mortalität.
  • Beim sekundären Parameter ‚erneutes Vorhofflimmern“ schnitt die Ablation besser ab als die Medikation, wobei das Resultat auch signifikant war (49,9% versus 69,5%; HR 0,52 ; CI, 0,45-0,60]; p
  • Beim AFEQT erwies sich die Katheterablation als besser (86,4 Punkte versus 80,9 Punkte), wobei der absolute Unterschied von 5,3 Punkten statistisch signifikant war (p
  • Auch beim MAFSI-Frequenz und MAFSI-Symptomschwere waren die Resultate für die Katheterablation besser als für die Medikation (6,4 versus 8,1 Punkte, p
  • Häufigste schwere Komplikation in der Ablations-Gruppe war eine kardiale Tamponade (0,8%), weitere Komplikationen waren kleinere Hämatome (2,3%) und Pseudoaneurysmen (1,1%). In der Medikations-Gruppe traten bei 1,6 Prozent der Patienten Störungen der Schilddrüsenfunktion auf.​​​​​​​

Klinische Bedeutung

Die Katheterablation hat zwar beim primären Endpunkt in der ITT- Analyse nicht besser abgeschnitten als die Medikation, kann aber, wenn von erfahrenen Kardiologen und Teams durchgeführt, für die Patienten eine sichere und zugleich effektive Therapie sein, die außerdem die Lebensqualität noch mehr verbessert als die Medikation.  Die Studie liefert insgesamt weitere Daten zur Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern und damit eine noch breitere Datengrundlage für die gemeinsam mit den Patienten zu treffende Wahl der Therapie.  Als eine Einschränkung der Studie ist das offene Design anzusehen. 

Finanzierung: US-Staat (National Heart, Lung and Blood Institute), Mayo Clinic sowie die Medizinprodukte-Hersteller Biosense Webster, Medtronic und Boston Scientific Corporation.