Vorhofflimmern: „Apple Heart Study“ mit über 400.000 Teilnehmern publiziert

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften 

Die mit über 400.000 Teilnehmer sehr große „Apple Heart Study“ zum Screening auf Vorhofflimmern mit einer Smartwatch ist nun im renommierten „New England Journal of Medicine“ erschienen. Die Zahl der Probanden, bei denen ein unregelmäßiger Puls auffiel und dann ein EKG auch Vorhofflimmern zeigte, war allerdings sehr gering. Zudem handelte es sich bei einem Großteil der Teilnehmer um relativ junge Menschen, deren Risiko für die Herzrhythmusstörung relativ gering ist. 

Hintergrund

Apple macht sich seit einigen Jahren schon Gedanken über die Gesundheit der Bevölkerung (und Kunden). Ein Resultat der Überlegungen ist  eine Software für die iWatch, mit der sogar Vorhofflimmern erkannt werden soll. Sie sei nicht nur die beste Uhr der Welt, sondern der ultimative Gesundheits-Wächter, so Tim Cook und sein Vorstandskollege Jeff Williams letztes Jahr bei der Präsentation in Cupertino. Die Uhr sei „game changing“, warb sogar Dr. Ivor Benjamin, Präsident der „American Heart Association (AHA)“. Um den klinischen Nutzen der Uhr plus EKG-Applikation für das Screening auf Vorhofflimmern zu belegen, hat Apple in Zusammenarbeit mit Kardiologen der Standford-Universität eine klinische Studie gestartet - die sogenannte „Apple-Heart-Studie“.

Design

An der „Apple Heart Study“ konnten Erwachsene teilnehmen, die ein iPhone und eine iWatch plus EKG-App besaßen. Über 419.000 Erwachsene konnten so online innerhalb von acht Monaten rekrutiert werden. Mehr als die Hälfte (219.179) der Teilnehmer war unter 40 Jahre alt, nur knapp sechs Prozent (24.626) waren wenigstens 65 Jahre alt. Stellten die Probanden bei sich mit Hilfe der smarten Uhr einen unregelmäßigen Puls fest, bekamen sie per Post ein EKG-Patch zugeschickt, das sie bis zu sieben Tage tragen sollten. Drei Monate nach der Diagnose „unregelmäßiger Puls“ und am Ende der Studie wurden die Probanden untersucht. Die Beobachtungsdauer betrug mediane 117 Tage.

Hauptergebnisse 

  • 2161 der über 400.000 Teilnehmer (0,52%) bemerkten einen unregelmäßigen Herzrhythmus; bei den 219.179 unter 40-Jährigen betrug dieser Anteil 0,16 Prozent (n=341), bei den mindestens 65-Jährigen 3,14 Prozent (n=775).
  • Bei 450 dieser 2161 Probanden konnten die EKG-Aufzeichnungen (zurückgesandter EKG-Patch) ausgewertet werden. Insgesamt hatten 34 Prozent (153/450) Vorhofflimmern; bei den 181 mindestens 65-Jährigen betrug dieser Anteil 35 Prozent (63/181), bei den 49 unter 40 Jahren alten Probanden waren es 18 Prozent (9/49).
  • Der positive Vorhersagewert eines unregelmäßigen Pulses für Vorhofflimmern im simultan aufgezeichneten EKG betrug 0,84, im anschließend aufgezeichneten EKG 0,71.

Klinische Bedeutung

Ob diese Studie medizinisch relevante Erkenntnisse liefert, wird in den kommenden Tagen sicher noch intensiv und wahrscheinlich kontrovers diskutiert werden. Der nahende Kongress der „American Heart Association“ wird dazu genügend Gelegenheiten bieten. Als positiv kann man vielleicht die sehr kurze Rekrutierungszeit für über 400.000 Probanden bewerten. Kritisch zu sehen ist allerdings, dass es sich bei der Mehrheit der Teilnehmer um Menschen mit vergleichsweise geringem Risiko für Vorhofflimmern handelte. Der Anteil der Menschen, die vor allem gefährdet sind, war mit sechs Prozent sehr gering. Zudem sind Besitzer eines iPhone und einer iWatch sozioökonomisch eher privilegierte Personen, die sich in der Regel mehr um ihre Gesundheit kümmern (und kümmern können) als der durchschnittliche US-Bürger.

Finanzierung: Apple