Vorhersage des kardiovaskulären Risikos bei Darmkrebs anhand von Bauchfett und Muskelmasse?

  • JAMA Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Computertomographie kann bei Patienten mit Darmkrebs im Zuge von Routineuntersuchungen zahlreiche Daten zur körperlichen Zusammensetzung liefern, von denen einige möglicherweise helfen könnten, das Risiko für größere kardiovaskuläre Ereignisse in dieser besonders gefährdeten Patientengruppe besser einzuschätzen.

Hintergrund

Darmkrebspatienten haben ein bis zu 4 Mal höheres Risiko, kardiovaskuläre Erkrankungen zu bekommen, als Personen, die nicht an Krebs erkrankt sind. In Leitlinien wird die Empfehlung gegeben, die Patienten auf die Assoziation zwischen einem erhöhten Body-Mass-Index (BMI) und dem kardiovaskulären Risiko hinzuweisen. Allerdings basiert diese Empfehlung lediglich auf dem Konsens der Experten. Hier wurde deshalb untersucht, welche körperlichen Parameter bei Darmkrebspatienten mit größeren kardiovaskulären Ereignissen assoziiert sind.

Design

Bevölkerungsbasierte, retrospektive Kohortenstudie mit 2.839 nordamerikanischen Patienten, die zwischen den Jahren 2006 und 2011 mit Darmkrebs der Stadien I bis III diagnostiziert, und im Rahmen eines integrierten Versorgungssystems betreut wurden. Gegenübergestellt wurden der BMI sowie weitere, per CT erfasste Merkmale zur körperlichen Zusammensetzung wie Fettverteilung und Eigenschaften der Muskulatur einerseits, sowie die Zeit bis zum ersten größeren kardiovaskulären Ereignis.

Ergebnisse

  • Unter den durchschnittlich 61,9 Jahre alten Studienteilnehmern (51 % weiblich) waren 40 % früher und 12 % aktuell Raucher gewesen, 55 % litten an Bluthochdruck, 49 % an Hyperlipidämie und 20 % an Typ-2-Diabetes.
  • Die kumulative Inzidenz für größere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) war 10 Jahre nach der Diagnose 19,1 %.
  • Der BMI korrelierte zwar positiv mit einigen Parametern der körperlichen Zusammensetzung, er war aber nicht mit MACE assoziiert.
  • Beim Vergleich von Patienten mit einem BMI ≥ 35 gegenüber 18,5 – 24,9 war das Chancenverhältnis HR von 1,23 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,85 – 1,77 und P = 0,50 nicht signifikant.
  • Beim Vergleich des obersten mit dem untersten Fünftel war die Fläche des subkutanen Fettgewebes nicht mit MACE assoziiert (P = 0,65), ebenso wenig wie die Muskelmasse (P = 0,92).
  • Die Fläche des viszeralen Fettgewebes war mit MACE assoziiert. Das Chancenverhältnis HR beim Vergleich des obersten mit dem untersten Fünftel betrug 1,54 (95%-KI 1,02 – 2,31; P = 0,04).
  • Ebenfalls mit MACE assoziiert war die Strahlendichte der Muskeln als Maß für die darin gespeicherten Lipide. Im Vergleich des Fünftels mit dem geringsten Fettanteil gegen den höchsten Fettanteil ergab sich eine HR von 0,67 bei einem 95%-KI von 0,44 – 1,03 (P = 0,02).

Klinische Bedeutung

Zwar lässt sich der BMI leicht bestimmen, er ist aber für die Vorhersage des kardiovaskulären Risikos von Patienten mit Darmkrebs nicht geeignet. Die Fläche des subkutanen Fettgewebes und die Strahlendichte der Muskeln korrelieren mit dem Risiko und könnten im Rahmen von Routineuntersuchungen mitbestimmt werden. Die Autoren hoffen, dass diese Informationen sich in wirkungsvolle und kosteneffektive Präventionsmaßnahmen ummünzen lassen könnten, doch ohne Beweise aus entsprechenden Interventionsstudien bleibt diese Hoffnung spekulativ.

Finanzierung: National Cancer Institute.