Von früh an nimmt die Lungenfunktion bei COPD einen schlechten Verlauf


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Von der Kindheit bis ins 6. Lebensjahrzehnt verläuft die Entwicklung der Lungenfunktion auf mindestens 6 verschiedenen Trajektorien, die teilweise mit einem erheblich erhöhten COPD-Risiko einher gehen, was entsprechende Interventionen nahelegt.

Hintergrund

Die Lebensqualität und die Lebenserwartung hängen in erheblichem Maße von der Funktion der Lunge ab. Deren Entwicklung und Leistungsfähigkeit über die Lebensspanne ist nicht bei allen Menschen gleich, sondern scheint unterschiedlichen Trajektorien zu folgen. Noch nie wurde der Verlauf und die Einflussfaktoren für diese Trajektorien über einen so langen Zeitraum untersucht, wie in dieser Studie.

Design

Genutzt wurden die Lungenfunktionsdaten der Tasmanischen Langzeit-Gesundheitsstudie (TAHS) mit ursprünglich 8583 Teilnehmern, die im Alter von 7, 13, 18, 45, 50 und 53 Jahren bestimmt worden waren. Aus der Einsekundenkapazität zu den 6 Zeitpunkten wurden Untergruppen von Studienteilnehmern mit ähnlichen Verläufen der Lungenfunktion (Trajektorien) identifiziert. Schließlich setzten die Forscher die verschiedenen Trajektorien in Bezug zu Kindheitsfaktoren und dem Risiko für eine COPD.

Hauptergebnisse

Die Studienpopulation bestand aus jenen (nur) 2438 von ursprünglich 8583 Teilnehmern der TAHS mit mindestens zwei Lungenfunktionsprüfungen im Alter von 7 und 53 Jahren. Bei ihnen fanden die Wissenschaftler 6 Trajektorien für die Entwicklung des 1-Sekundenvolumens:

  • durchschnittlich (39 %)
  • frühzeitig unter dem Durchschnitt mit beschleunigter Abnahme (4 %). Hier war das Risiko für eine COPD gegenüber der durchschnittlichen Gruppe um den Faktor 35 erhöht.
  • persistent niedrig (6 %), mit 9,5-fach erhöhtem COPD-Risiko
  • unterdurchschnittlich (32 %), mit 3,7-fach erhöhtem Risiko.
  • frühzeitig niedrig, beschleunigte Zunahme, normaler Abfall (8 %)
  • persistent hoch (12 %)

Die frühen Prädiktoren für die 3 ungünstigen Verläufe waren: Asthma / elterliches Asthma, Bronchitis, Pneumonie, allergische Rhinitis, Ekzem und eine rauchende Mutter. Für die Studienteilnehmer in der Hochrisikogruppe, deren Lungenfunktion schon früh unter dem Durchschnitt lag und dann beschleunigt abgenommen hatte, konnten die Forscher überdies zeigen, dass der negative Einfluss einer rauchenden Mutter und von Asthma in der Kindheit nochmals verstärkt wurde, wenn die Kinder später selbst Raucher wurden und adultes Asthma hatten.

Klinische Bedeutung

Das Rauchen ist nach wie vor der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer COPD. Die aktuelle Studie unterstreicht aber die Bedeutung von Asthma, Bronchitis, Lungenentzündungen, Heuschnupfen und Ekzemen sowie die Exposition gegenüber elterlichem Zigarettenrauch im Kindesalter. Die Vermeidung und Reduktion dieser Faktoren durch Beratung der Eltern und eine konsequente Therapie sind zusammen mit Maßnahmen zur Reinhaltung der Atemluft Investitionen in die Zukunft, die angesichts einer drohenden Epidemie von COPD auch entsprechend honoriert werden sollten.

Finanzierung: National Health and Medical Research Council of Australia, EU Programm Horizon 2020, University of Melbourne, Clifford Craig Medical Research Trust of Tasmania, The Victorian, Queensland & Tasmanian Asthma Foundations, Royal Hobart Hospital, Helen MacPherson Smith Trust, und GlaxoSmithKline.