Von 2018 bis 2030: Globaler Insulinbedarf steigt um 22 Prozent

  • Lancet Diabetes & Endocrinology

  • von Karl-Heinz Patzer
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Die steigende Prävalenz des Typ-2-Diabetes erhöht auch den Bedarf Insulin. Eine US-Studie hat nun erstmals die weltweit zur Diabetesbehandlung benötigten Insulinmengen bis zum Jahr 2030 berechnet. In diesem Jahr werden demzufolge 516,1 Millionen Phiolen mit je 1000 IE Insulin (42mg) verwendet, in zwölf Jahren werden es 633,7 Millionen sein – ein Anstieg um mehr als 20 Prozent.  

Hintergrund  

Derzeit leiden weltweit etwa 406,6 Millionen Menschen an Typ-2-Diabetes. Bis zum Jahr 2030 rechnet die International Diabetes Federation (IDF) mit einem Anstieg um 25 Prozent auf 510,8 Millionen. Die Prävalenzraten unterscheiden sich von Region zu Region teilweise erheblich. In Nordamerika und Karibik liegen sie bei rund 11 Prozent der Gesamtbevölkerung, in Europa bei rund 8 Prozent und in Afrika bei etwa 4,5 Prozent. Bei vielen Patienten wird im Laufe der Erkrankung eine Insulintherapie notwendig, wenn Ernährungsumstellung und körperliche Bewegung allein oder auch die Behandlung mit antidiabetischen Medikamenten nicht mehr zum Erfolg führen. Allerdings sind die Preise für das von den drei Herstellern Novo Nordisk, Sanofi und Eli Lilly produzierte Insulin relativ hoch. In vielen Ländern herrscht deshalb eine erhebliche Unterversorgung mit Insulin – es ist vor Ort entweder kaum verfügbar oder ärmere Menschen können sich eine Behandlung damit nicht leisten.  

Studiendesign  

Ein Forscherteam um Sanjay Basu von der Stanford University in Palo Alto/Kalifornien hat eine Mikrosimulation zum Insulinbedarf von Typ-2-Diabetespatienten in 221 Ländern entwickelt und eine Prognose bis zum Jahr 2030 erstellt. In den Algorithmus flossen die Prävalenzprognosen der International Diabetes Federation (IDF) sowie die Daten aus den 14 relevantesten Kohortenstudien zur Diabetestherapie mit ein. Letztere dienten als Rechnungsgrundlage zur Festlegung, ab wann für Diabetes-Patienten zur Erreichung ihrer HbA1c-Zielwerte eine Insulinbehandlung statt alternativer Medikamente zwingend nötig wird.  

Studienfinanzierung  

Die Untersuchung wurde vom Leona M. and Harry B. Helmsley Charitable Trust finanziell gefördert.  

Hauptergebnisse  

Die weltweit zur effektiven Behandlung des Typ-2-Diabetes benötigte Insulinmenge liegt im Jahr 2018 bei 516,1 Millionen Phiolen mit je 1000 IE Insulin (42mg). Im Jahr 2030 wird sie nach den Ergebnissen der Mikrosimulation  um 22 Prozent auf 633, 7 Millionen Phiolen anwachsen. Die Insulinunterversorgung ist derzeit in Afrika am höchsten. Um dort alle Patienten, die eine Insulintherapie benötigen, behandeln zu können, müsste die Produktion um den Faktor 7 erhöht werden: Statt derzeit 718.000 Phiolen würden bis zum Jahr 2030 etwa 5,1 Millionen benötigt. Auch in Asien werde der Bedarf bis zum Jahr 2030 stark ansteigen. Das US-Forscherteam rechnet hier mit einer Zunahme um 26,5 Millionen Phiolen pro Jahr.