Vitiligo: Hohe Repigmentierungsraten mit Ruxolitinib

  • Lancet

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In der vermutlich bislang größten prospektiven, randomisierten Studie mit Vitiligo-Patenten erreichte etwa die Hälfte der Betroffenen unter Ruxolitinib eine Repigmentierung der betroffenen Hautareale von mehr als 50 % gegenüber nur einem Patienten (3 %) in der Kontrollgruppe.

Hintergrund

Die chronische Autoimmunerkrankung der Haut Vitiligo schmälert die Lebensqualität infolge von Depigmentierungen. Für die Repigmentierung gibt es kaum zugelassene Therapien, und die Off-label Behandlungen sind nur begrenzt wirksam. Studien zur Pathogenese deuten auf eine verstärkende Rolle der sogenannten Janus-Kinase (JAK) 1 und 2, sodass deren spezifische Hemmung (hier mit Ruxolitinib) als rationale Therapie erschien.

Design

Multizentrische, doppel-blinde Studie der Phase 2 mit 157 erwachsenen Patienten (54 % Frauen) im durchschnittlichen Alter von 48,3 Jahren an 26 US-amerikanischen Kliniken und medizinischen Zentren. Die Patienten wurden randomisiert auf verschieden Regime mit einer Ruxolitinib-haltigen Creme (1,5 % 2 x täglich; 1,5 % täglich; 0,5 % täglich und 0,15 % täglich) oder 2 x täglich die Creme ohne Wirkstoff (Kontrollgruppe). Patienten, die nach 24 Wochen nicht eine mindestens 25% Verbesserung – gemessen mit dem facial Vitiligo Scoring Index (F-VASI) hatten, wurden erneut in der Gruppen mit wirkstoffhaltigen Regimen randomisiert.

Ergebnisse

  • Den primären Endpunkt einer Verbesserung des F-VASI nach 24 Wochen von mindestens 50% erreichten signifikant mehr Patienten mit 2 x 1,5 % Ruxolitinib (45 %) und mit 1,5 % täglich (50 %), als in der Kontrollgruppe (3 %, n=1).
  • Im Gesicht, wo die Behandlung in der Regel ohnehin erfolgreicher ist, erzielte ein Drittel der Patienten Repigmentierungsraten > 90 %.
  • Als häufigste Behandlungs-bedingte Nebenwirkung wurde Pruritus festgestellt, dessen Häufigkeit (3 – 19 % in den Verum-Gruppen und 9 % bei den Kontrollen) aber unabhängig von der Konzentration des Wirkstoffes schien. Eine Akne hingegen trat offenbar dosisabhängig bei insgesamt 10 % der Patienten unter Verum auf gegenüber 3 % (n=1) unter Placebo.

Klinische Bedeutung

Ruxolitinib kann über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr zu einer substantiellen Repigmentierung der Haut bei Patienten mit Vitiligo führen. Kommentator Thierry Passeron (Universität Nizza) hebt darauf ab, dass in dieser Studie nur eine Monotherapie erprobt wurde, wogegen sonst der Effekt noch durch Sonnenlicht oder künstliche UV-Bestrahlung verstärkt wird. Solche, möglicherweise synergistischen Effekte sollten ebenso Gegenstand zukünftiger Studien sein wie ein Vergleich mit der Standardtherapie aus Glukokortikoiden oder Calcineurin-Inhibitoren, und die Erhebung der Lebensqualität.

Finanzierung: Incyte.