Vitamin D zur Fraktur-Prophylaxe bei älteren Menschen weiterhin sinnvoll

  • Deutsche Medizinische Wochenschrift

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Für alte Menschen mit erhöhtem Frakturrisiko und/oder Vitamin-D-Mangel ist eine Prophylaxe weiterhin zu befürworten. Zu dieser Schlussfolgerung kommt die Professorin Dr. Dr. Heike A. Bischoff-Ferrari nach der Auswertung von vier aktuellen Metaanalysen.

Vier aktuelle Metaanalysen im Visier

Jüngste Metaanalysen zu Vitamin-D-Supplementation und Frakturreduktion hätten Ärzte und Patienten dazu veranlasst, aktuelle Richtlinien zu Vitamin D infrage zu stellen, so die Zürcher Geriaterin Heike A. Bischoff-Ferrari in einem aktuellen Beitrag in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“

Drei von vier Metaanalysen ohne Nutzen-Beleg 

So sei nur in einer von vier aktuellen Metaanalysen zur Frakturprävention mit Vitamin D eine signifikante Reduktion des Risikos für Frakturen und für Hüft-Frakturen bei täglicher Vitamin-D- plus Kalzium-Gabe festgestellt worden. Für die Gesamt-Frakturen hätten die Berechnungen eine relative Risikoreduktion von 15 Prozent ergeben, für die Hüft-Frakturen von 30 Prozent. In den anderen drei Metaanalysen seien keine Belege für einen derartigen Nutzen festgestellt worden. In zwei der drei Metaanalysen sei es allerdings nicht um ältere Menschen mit hohem Sturz- und Frakturrisiko gegangen. Die dritte Metaanalyse habe zu einigen Diskussionen über die Methode und die teilweise sehr hohen Dosierungen geführt, so dass eine erneute Analyse der Studien vorgenommen wurde, in denen Vitamin D in einer Tagesdosis von - wie empfohlen - 800 bis 1000 IU gegeben wurde und die Adhärenz über 50 Prozent lag. Diese erneute Auswertung ergab eine signifikante relative Reduktion des Risikos für Frakturen von 14 Prozent und von 12 Prozent für Stürze. 

Fazit der  Geriater

Für ältere Menschen mit erhöhtem Frakturrisiko und/oder Vitamin-D-Mangel ist eine Vitamin-D-Supplementierung mit täglich 800 bis 1000 IU weiterhin vertretbar bzw. zu befürworten, analog mehreren nationalen und internationalen Empfehlungen, so die Geriaterin. Angesichts des geringen Risikos und der geringen Kosten von Vitamin D sei es wichtig, „ältere Erwachsene nicht von der täglichen Einnahme von 800 bis 1000 IE Vitamin D abzuhalten und die optimale Dosis und Anwendung von Vitamin D weiter zu untersuchen“. Hingegen seien anhand der heutigen Studienlage große jährliche Bolus-Applikationen von Vitamin D (300.000 bis 500.000 IU) bei älteren Erwachsenen mit einem Risiko für Frakturen schädlich; sie sollten „in der klinischen Versorgung nicht fortgesetzt werden“. Außerdem sei in der Primärprävention bei ≥ 50-Jährigen ohne Vitamin-D-Mangel und Osteoporose eine Vitamin-D-Ergänzung möglicherweise nicht wirksam; allerdings sei die klinische Studienlage zur Primärprävention beschränkt.

Finanzierung: Die Autorin gibt an, Vortragshonorare von Sandoz, Wild, Sanofi, Roche-Diagnostics, Meda und Vifor erhalten zu haben, außerdem Forschungsgelder im Bereich Vitamin D und Muskelgesundheit von DSM Nutritional Products sowie unabhängige Forschungsgelder von Pfizer, Vifor und Wild.