Vitamin-D-Supplementierung bei Prädiabetes kein Diabetes-Schutz

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Eine tägliche Vitamin-D-Dosis von 4000 IU schützte Patienten mit hohem Diabetes-Risiko und zumeist ausreichenden Vitamin-D-Spiegeln nicht vor der Entwicklung eines Diabetes mellitus. 

Hintergrund

Mehrere Beobachtungsstudien haben einen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln und chronischen Erkrankungen gezeigt, darunter auch Diabetes mellitus. Eine seit Jahren diskutierte Frage ist daher, ob eine Supplementierung Menschen mit, aber vor allem auch ohne Vitamin-D-Mangel vor chronischen Erkrankungen schützt. In der vorliegenden Studie geht es um Diabetes mellitus. 

Design

Placebo-kontrollierte randomisierte Studie mit 2423 Teilnehmern (Durchschnittsalter 60 Jahre, Frauenanteil 45 %) mit sogenanntem Prädiabetes; für die Diagnose Prädiabetes mussten mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllt sein: Nüchtern-Glukose-Spiegel zwischen 100 und 125 mg/dl, Plasma-Glukose-Spiegel zwei Stunden nach Glukose-Belastung 140 bis 199 mg/dl und HbA1c-Wert 5,7 bis 6,4 Prozent. 1211 Patienten erhielten unabhängig vom Basis-Vitamin-Spiegel (25-Hydroxyvitamin D) pro Tag 4000 IU Vitamin D3, 1212 Patienten bekamen ein Placebo. Die meisten Studienteilnehmer hatten ausreichende Basis-Vitamin-Spiegel; der mittlere Spiegel (25-Hydroxyvitamin D) betrug 28,0 ng/ml; fast 80 Prozent hatten Werte von mindestens 20 ng/ml. Primärer Endpunkt war die Erstdiagnose eines Diabetes mellitus.

Hauptergebnisse

  • Nach 24 Monaten betrug der mittlere Vitamin-D-Spiegel in der Prüf-Gruppe 54,3 ng/ml (Ausgangswert 27,7 ng/ml), in der Kontroll-Gruppe 28,8 ng/ml (Ausgangswert 28,2 ng/ml). 
  • Ein manifester Diabetes wurde in der Vitamin-D-Gruppe nach im Median 2,5 Jahren bei 293 Personen gestellt, in der Kontroll-Gruppe bei 323. Dies entsprach 9,39 und 10,66 Diabetes-Diagnosen pro 100 Personen-Jahre. Das Ergebnis war statistisch nicht signifikant (Hazard Ratio 0,88, 95% CI 0,75-1,04, p=0,12).
  • Bei den unerwünschten Wirkungen gab es zwischen den beiden Gruppen ebenfalls keinen signifikanten Unterschied.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen nicht für eine generelle Vitamin-D-Supplementierung bei Patienten mit Prädiabetes. Dabei muss bedacht werden, dass es sich bei der Gesamt-Population um Patienten sehr unterschiedlichen Vitamin-D-Spiegeln handelte. Es ist daher nicht völlig ausgeschlossen, dass die Supplementierung bei Patienten mit niedrigen Spiegeln oder Vitamin-D-Mangel doch die Entwicklung zu einem Diabetes verhindert. So ergab eine Post-hoc-Analyse der Daten jener 103 Teilnehmer, die einen Vitamin-Basis-Spiegel von unter 12 ng/ml hatten, eine relative Risikoreduktion von 62 Prozent (HR 0,38, 95% CI 0,18-0,80).

Im Gegensatz dazu ergab eine zuvor festgelegte Subgruppen-Analyse der Teilnehmer mit Basis-Werten von unter 20 ng/ml keinen relevanten Unterschied zu der Subgruppe mit Werten von mindestens 20 ng/ml. Allerdings war die Subgruppen-Analyse, da „underpowered“, auch nicht in der Lage, einen signifikanten Effekt zu erkennen. Die Frage, ob Vitamin-D-Supplementierung Diabetes mellitus vorbeugen kann, beleibt demnach offen: Sie ist weder zu bejahen noch absolut zu verneinen.

Finanzierung: National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases u.a.