Vitamin C i. v. bei Sepsis: Organfunktionen nicht klar verbessert und dennoch Sterblichkeit gesenkt

  • JAMA

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Hat hochdosiertes Vitamin C, intravenös gegeben, für Patienten mit Sepsis oder schwerem akutem respiratorischem Distress-Syndrom einen klinisch relevanten Vorteil? Wahrscheinlich nicht, ist die Antwort auf diese Frage aus einer prospektiv randomisierten, placebokontrollierten Studie. Die Organfunktionen, primärer Endpunkt, verbesserten sich nicht signifikant. Und dennoch hatten die Vitamin-C-behandelten Patienten im Vergleich mit Placebo einen Überlebensvorteil.

Hintergrund
Die Sepsis ist die schwerste Verlaufsform akuter Infektionen und endet in 30-50 % der Fälle tödlich. Hoch dosiertes Vitamin C, intravenös appliziert, ist seit Längerem ein Kandidat für die Sepsistherapie, da es Entzündungsprozessen entgegenwirkt und auch einer sepsisinduzierten Koagulopathie. In der prospektiv randomisierten, placebokontrollierten, mulizentrischen Studie CITRIS-ALI wurde die Frage nach dem klinischen Benefit untersucht (1) .

Design

  • 170 Patienten, die wegen Sepsis oder schwerem akutem respiratorischem Distress-Syndrom (ARDS) eine intensivmedizinische Behandlung erhielten, wurden prospektiv randomisiert in eine Verum- und eine Placebogruppe.
  • Studientherapien: Vitamin C 50 mg/kg i.v. alle 6 Stunden für 96 Stunden oder Placeboinfusionen, jeweils plus best mögliche Therapie
  • primäre Endpunkte: mSOFA-Score nach 96 Stunden und Laborwerte wie C-reaktives Protein (CRP) und Thrombomodulin, mehrfach gemessen bis maximal 196 Stunden
  • sekundäre Endpunkte: insgesamt 46 präspezifizierte sekundäre Endpunkte, darunter Sterblichkeit jeglicher Ursache bis Tag 28, beatmungsfrei bis zum Tag 28, keine Intensivtherapie mehr erforderlich bis Tag 28 und keine stationäre Therapie am Tag 60.

Hauptergebnisse
Die Daten von 167 Patienten wurden in den primären Endpunkten ausgewertet. Funktionen von 5 Organsystemen (Atmung, Nervensystem, Herz-Kreislauf, Leber, Nieren) wurden mit dem mSOFA-Score (modified Sequential Organ Failure Assessment) beurteilt, und zwar mit maximal jeweils 4 Punkten. 20 Punkte zeigen den schlechtesten Zustand an.

Bei Vitamin C i.v. verbesserte sich der mSOFA-Score um 3,0 Punkte (von 9,8 zu Beginn der Therapie auf 6,8 Punkte), in der Placebogruppe um 3,5 Punkte (von 10,3 auf 6,8 Punkte). Der Unterschied war statistisch nicht signifikant (p = 0,86). Auch bei den Laborwerten CRP und Thrombomodulin, einem Parameter für die Blutgerinnung, gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede nach 168 Stunden.

Eine klare Diffferenz fand sich lediglich in einem der sekundären Endpunkte: der Gesamtsterblichkeit. Sie betrug 46 % an Tag 28 unter Placebo und 29,8 % im Verumarm (HR: 0,55; p = 0,01). Damit sei der potenzielle Effekt hoch dosierter Vitamin-C-Infusionen eher günstig, auch wenn die primären Endpunkte in der Studie nicht erreicht wurden.

Klinische Bedeutung
Die Optimierung der frühen Diagnose und Therapie einer Sepsis ist auch für Deutschland von hoher Bedeutung. Die Sepsisfallzahlen steigen tendenziell: 2013 gab es 279 530 Erkrankungen, 2007 waren es noch 200 535 gewesen (2). Außerdem nimmt der Anteil der schweren Sepsisverläufe zu (27 % im Jahr 2007, 41 % im Jahr 2013). Das negative Ergebnis der CITRIS-ALI-Studie spreche nicht endgültig gegen ein positives Potenzial von Vitamin C, heißt es im begleitenden Editorial (3). In weiteren Studie müsse dies untersucht werden, auch mit optimierten Dosierungen.

Finanzierung: öffentliche Mittel der USA