Virus gegen Virus: Chikungunya-Vakzine auf Basis von Masern erfolgreich erprobt


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine gentechnisch hergestellte Chikungunya-Virus-Lebendvakzine auf Basis eines modifizierten Masernvirus hat sich in einer großen, prospektiven, randomisierten und placebokontrollierten Phase-2-Studie als immunogen erwiesen. Die intramuskuläre Injektion des Impfstoffs löst eine Bildung neutralisierender Antikörper in protektiven Konzentrationen aus. Der Impfstoff ist gut verträglich. Die Studie erfolgte an deutschen und österrreichischen Zentren.

Hintergrund

Infektionen mit dem Chikungunya-Virus, urprünglich in Südostasien verbreitet, werden in Europa hauptsächlich als Reiseerkrankung eingeschleppt. Durch das tendenziell wärmer werdende Klima können sich allerdings die Überträgermücken der Gattung Aedes (A. aegypti/A. albopictus) auch in Europa ansiedeln. In Italien und Südfrankeich kam es bereits zu Ausbrüchen mit einigen autochthonen Übertragungen des Chikungunya-Virus. In Deutschland gibt es Brutstätten der Tigermücken und seit 2005 auch immer wieder Erkrankungen von Reisenden. Das Virus kann sich bei Außentemperaturen von 18 °C vermehren.

Zurzeit lassen sich nur die Symptome der Infektion lindern. Charakteristisch sind hohes Fieber mit starken Muskel-, Glieder- und Gelenksschmerzen. Vereinzelt gibt es tödliche Verläufe. In einer kontrollierten Phase-2-Studie mit österreichischen und deutschen Probanden ist eine Chikungunya-Lebendvakzine auf Basis eines modifizierten Masernvirus (MV-CHIK) auf Immunogentität und Sicherheit getestet worden. Die Vakzine wird von der Wiener Biotechfirma Themis Bioscience entwickelt.

Design

  • Teilnehmer: 263 gesunde, erwachsene Probanden, 50 % männlich
  • Randomisierung: acht Gruppen
    • vier Behandlungsgruppen mit einer intramuskulären Injektion vs. drei Injektionen von MV-CHIK in zwei verschiedenen Dosierungen des Impfvirus
    • zwei Kontrollgruppen mit einer oder drei Injektionen eines Masern-Mumps-Röteln-Impfstoffs (Placebo) und
    • zwei Masernvirus-Priming-Gruppen mit Probanden, die 28 Tage vor ein- oder dreimaliger MV-CHIK-Injektion jeweils eine Injektion mit dem Masern-Virus-Impfstamm erhielten.
  • Primärer Endpunkt waren die Titer neutralisierender CHIK-Antikörper (IgM/IgG) vor Studienbeginn und zu vier verschiedenen Zeitpunkten bis Monat 7.

Hauptergebnisse

Es ließ sich mit dem Impfstoff die Bildung neutralisierender Antikörper gegen CHIK in protektiven Konzentrationen anregen. Dazu genügten ein bis zwei Injektionen, egal, ob im Abstand von einem Monat oder von sechs Monaten. Beide Impfschemata waren wirksam und sicher. Die höheren Vakzine-Dosierungen erzeugten bei 95,9 % schützende Antikörper-Titer. In den Gruppen mit Masernvirus-Priming zeigte sich, dass eine vorbestehende Masernimmunität die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen MV-CHIK nicht beeinträchtigt. Es kommt nur zur Erhöhung der Antikörper gegen Masern durch das Masernvirus-Priming (Booster-Effekt).

Klinische Bedeutung

Die von den Autoren als sehr positiv bewerteten Ergebnisse der Phase-2-Studie werden nun in einer Phase 3 evaluiert. Lassen sich die Ergebnisse bestätigen, könnte schon in wenigen Jahren erstmals ein wirksamer Impfstoff gegen das Chikungunya-Virus auf den Markt kommen. Er wäre für Reisende und für Personen gedacht, die in Endemie- oder Ausbruchsgebieten leben.

Finanzierung: Themis Bioscience