Virtuelles Krankenhaus in NRW: Weniger Antibiotika bei unkomplizierten Atemwegserkrankungen

  • RWTH Aachen

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Patienten der Intensivmedizin und Infektiologie profitieren von einem sektorenübergreifenden telemedizinischen Netzwerk . Dies gilt auch für die leitlinienkonforme Antibiotika-Therapie . Das geht aus den Ergebnissen der Projektevaluation zum Innovationsfondsprojekt TEL­[email protected] hervor, die jüngst zum Ab­schluss der dreijährigen Förderphase in Düsseldorf vorgestellt wurden.

Steigerung der Behandlungsqualität nach Kriterien der DGI

Die Ergebnisse der Analysen sind vielversprechend“, berichtet Prof. Wolfgang Greiner, Inhaber des Lehrstuhls für Gesundheitsökonomie und -management an der Universität Bielefeld auf dem [email protected] 2020. „Sie zeigen in verschiedenen Punkten eine deutliche Steigerung der Behandlungsqualität gemessen an den Choosing-Wisely-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) – sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich. Die frühzeitige telemedizinische Unterstützung habe laut Prof. Greiner dabei einen entscheidenden Einfluss auf die Behandlungsqualität. Etwa 150 000 Patienten wurden zwischen April 2017 und September 2019 in das Projekt einbezogen und davon 10.000 telemedizinisch betreut.

Senkung der Verschreibung von Antibiotika bei unkomplizierten Harnwegsinfekten und asymptomatischer Bakteriurie.

Besonders deutlich zeigt sich der Qualitätsvorteil der leitliniengerechten Antibiotika-Therapie. So lautet etwa die Empfehlung der DGI, dass bei unkomplizierten Atemwegsinfektionen auf Antibiotika verzichtet werden soll. Die Chance, gemäß dieser Vorgabe behandelt zu werden, lag in der Interventionsgruppe mehr als 30 Prozent höher als in der Kontroll­gruppe. „Das ist statistisch signifikant und wird maßgeblich dadurch beeinflusst, wie viele Telekonsile der Arzt schon gemacht hat“, erläuterte Greiner.

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der asymptomatischen Bakteriurie. Auch hier konnte die Verschreibung von Antibiotika deutlich gesenkt werden. So hatten die telemedizinisch betreuten Patien­ten in der Interventionsgruppe eine eine 9-mal so hohe Chance, leitlinienkonform behandelt zu wer­den.

[email protected]“ verfolgte seit Anfang 2017 das Ziel, in den Modellregionen Aachen und Münster bzw. Münsterland ein sektorenübergreifendes telemedizinisches Netzwerk in der Intensivmedizin und Infektiologie aufzubauen. Neben den Unikliniken Aachen und Münster als Expertenzentren haben sich an dem Projekt 17 Krankenhäuser und zwei große Praxisnetzwerke mit mehr als Hundert teilnehmenden Haus- und Fachärzten beteiligt, die über eine gemeinsame digitale Infrastruktur sowie durch Schulungen, Telekonsile und Televisiten auf die Expertise der Zentren zugreifen konnten. Das Projekt wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert.