Viren und Krebs: Wirksame Strategien zur Prävention und Therapie


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Auch wenn eine Infektion nie der alleinige Auslöser für eine Krebserkrankung ist, führen Wissenschaftler etwa jedes sechste Tumorleiden auf eine Infektion mit Viren oder anderen Krankheitserregern wie etwa Helicobacter pylori zurück. Damit spielen antibakterielle und antivirale Therapien sowie Impfstoffe für die Prävention von Krebserkrankungen eine große Rolle. Umgekehrt lassen sich onkolytische Viren aber auch gezielt für die Krebstherapie nutzen, indem sie die Wirkung von Checkpoint-Inhibitoren verstärken.

Infektionen erhöhen das Krebsrisiko

Laut WHO stehen mindestens 15 Prozent aller Krebserkrankungen weltweit mit einer vorangegangenen Infektion in Verbindung, in Entwicklungsländern sogar jedes vierte Tumorleiden. Für Deutschland gehen Schätzungen zufolge davon aus, dass 2018 mehr als 17 600 Krebsfälle auf Infektionen zurückzuführen sind, dies entspricht 4 Prozent aller Krebsneuerkrankungen. Das Bakterium Helicobacter pylori (n = 8 764) und humane Papillomviren (n = 7 669) tragen am meisten zu diesen Krebsfällen bei. Für Infektionen mit Hepatitis B und C, dem humanen Immundefizienz-Virus sowie dem humanen Herpesvirus Typ 8 wurde die Zahl attributabler Krebsfälle auf 983 Fälle, 144 Fälle beziehungsweise auf 116 Fälle geschätzt (1).

Aktuelle Untersuchungen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg machen außerdem eine frühkindliche Infektion mit einer bisher unbekannten Klasse von Erregern aus Kuhmilch und Rindfleisch (genannt BMMF für „Bovine Milk and Meat Factors“) für ein erhöhtes Darmkrebsrisiko verantwortlich (2).

Impfen als Krebsprävention

Wirksame Strategien zur Verringerung der infektionsattributablen Krebslast könnten beispielsweise auf eine verbesserte Infektionskontrolle und Therapie – etwa durch direkt antiviral wirksame Medikamente (DAA) bei einer HCV-Infektion – oder auf die Förderung von Impfprogrammen abzielen. „Mit der HPV-Impfung haben wir eine extrem wirksame Waffe gegen Gebärmutterhalskrebs“, betont Prof. Harald zur Hausen. Zudem schütze die Impfung vor Vulva- und Vaginalkarzinomen, Penis- und Analkarzinomen sowie Mund-Rachen-Karzinomen.

So hat beispielsweise Australien in den letzten Jahren durch die Einführung eines nationalen schulbasierten Impfprogramms einen beträchtlichen Rückgang der Prävalenz der am häufigsten krebsverursachenden HPV-Typen bei 18- bis 35-jährigen Frauen erreicht (3). Dennoch ist laut Robert Koch-Institut trotz STIKO-Empfehlung für beide Geschlechter nur etwa jedes vierte Mädchen zwischen neun und 17 Jahren geimpft; bei Jungen liegt die Rate sogar deutlich darunter.

Viren gegen Krebs

Indessen widmen sich Wissenschaftler zunehmend der Frage, wie sich umgekehrt Viren für die Krebstherapie nutzen lassen. Während die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren (Ipilimumab, Nivolumab, Pembrolizumab und zuletzt Avelumab und Atezolizumab) in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil der Krebstherapie geworden ist, sehen die Erfolge einer gezielten Zerstörung von Tumorzellen durch onkolytische Viren im Großen und Ganzen eher bescheiden aus. In Deutschland ist derzeit nur Talimogen laherparepvec zur Behandlung des metastasierten malignen Melanoms zugelassen.

Vielversprechend sind dagegen neue Ansätzen zur Kombination von Immun- und Virotherapie. Mit Hilfe onkolytischer Viren läss sich die Wirkung von Check­point-Inhibitoren verstärken. Forscher um Christine Engeland vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg nutzen dazu im Labor veränderte Masernviren, um Bremsen im Immunsystem zu lösen und Krebszellen gezielt abzutöten (4).

Krebstherapie nach Maß

Durch den zunehmenden Einsatz von Immuntherapeutika werden Krebstherapien immer komplexer. Therapiealgorithmen müssen kontinuierlich angepasst werden, sowohl an die Empfehlungen nationaler und internationaler Leitlinien als auch an aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen. Bei nahezu allen Tumoren spielen multimodale Konzepte mittlerweile eine bedeutende Rolle.

Mit den Therapiealgorithmen Onkologie, initiiert u.a. von Prof. Salah-Eddin Al-Batran vom Institut für Klinisch-Onkologische Forschung am Krankenhaus Nordwest und seit Februar nun auch auf Univadis, finden Onkologen zu den 32 häufigsten soliden Tumoren Algorithmen und Therapieschemata, mit denen sich aktuelle Behandlungsempfehlungen rasch für den Therapiealltag nutzen lassen.

Univadis lädt exklusiv zum Webinar Onkologie im Gespräch: „Infektionen, unser Immunsystem und der Krebs“ am 20. März 2019, 19:00 bis 19:45 Uhr. Als Experten kommen zu Wort Nobelpreisträger Prof. Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg und Prof. Salah-Eddin Al-Batran, Ärztlicher Direktor des Instituts für Klinisch-Onkologische Forschung der Krankenhaus Nordwest GmbH, Frankfurt.