Viele Patienten mit Reizdarmsyndrom fühlen sich nach einer Hypnosetherapie besser


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In der bislang größten randomisierten Studie zur Wirkung der Hypnose bei Patienten mit Reizdarmsyndrom berichteten 41 % der Teilnehmer nach 6 Einzelsitzungen eine „angemessene“ Linderung ihrer Bauchschmerzen. Bei der Gruppentherapie waren es 33 %, und in der Kontrollgruppe mit einer reinen Psychoedukation 17 %. Bei den sekundären Endpunkten gab es allerdings keine signifikanten Verbesserungen.

Hintergrund

Eine Hypnosetherapie wurde beim Reizdarmdarmsyndrom bislang vorwiegend auf individueller Basis bei Patienten mit refraktären Symptomen erprobt. Hier sollte sie sowohl in Einzel- als auch in Gruppensitzungen bei einer größeren Zahl von nicht selektierten Patienten erprobt werden.

Design

An der IMAGINE-Studie haben 354 Patienten mit einem Wert zwischen 300 und 500 im IBS-SSS-Fragebogen teilgenommen, die von Allgemein- oder anderen Fachärzten überwiesen worden waren. Sie erhielten an 11 niederländischen Kliniken randomisiert entweder eine Hypnosetherapie in 6 individuellen Sitzungen oder in 6 Sitzungen als Teil einer Gruppe oder 6 Sitzungen reiner Psychoedukation.

Hauptergebnisse

  • In der Intention-to-treat Analyse berichteten nach 3 Monaten 40,8 % der Patienten mit einer Einzeltherapie eine „angemessene“ Linderung ihrer Bauchschmerzen, in der Gruppentherapie waren es 33,2 % und in der Kontrollgruppe 16,7 %. Die entsprechenden Werte nach 12 Monaten betrugen 40,8 %, 49,5 % und 22,6 %.
  • Diese Werte entsprechen einem Chancenverhältnis OR zugunsten der Hypnosetherapie von 2,9 nach 3 Monaten (95%-Konfidenzintervall 1,2 – 7,4; p=0,0240) und von 2,8 nach 12 Monaten (95%-KI 1,2 -6,7; p=0,0185).
  • Jeweils 15 % der Patienten in den Hypnosetherapie-Gruppen und 20 % in der Kontrollgruppe waren vor oder während der Sitzungen aus der Studie ausgeschieden.
  • In der per-Protokol Analyse berichteten nach 3 Monaten individuelle Hypnosetherapie 49,9 % eine angemessene Linderung der Beschwerden und 42,7 % in der Gruppentherapie. Nach 12 Monaten betrugen die entsprechenden Werte 55,5 % und 51,7 %.

Klinische Bedeutung

Die Hypnosetherapie in Gruppensitzungen war derjenigen in Einzelsitzungen nicht unterlegen, stellen die Autoren fest. In der Praxis würde dies bedeuten, dass man angesichts einer kleinen Zahl ausgebildeter Therapeuten einer größeren Zahl von Patienten helfen könnte. „Die Hypnosetherapie kann für alle Reizdarm-Patienten erwogen werden, unabhängig von der Schwere der Symptome und dem Subtyp der Krankheit“, schreiben die Autoren. Ob die Ergebnisse allerdings klinisch relevant sind, wird von dem Kommentator Olafur S. Palsson (University of North Carolina at Chapel Hill) kritisch hinterfragt: Er verweist darauf, dass die Hynosetherapie bei keinem der sekundären Studienendpunkte überlegen war: Schwere der Darmsymptomatik, Lebensqualität, psychologische Symptome, Kosten und Arbeitsunfähigkeit. „Daher ist es schwierig zu erkennen, dass das Gesundheitsproblem des Reizdarms oder damit zusammenhängender Effekte auf die emotionale Gesundheit und Lebensqualität spezifisch durch eine Hypnotherapie verbessert wird.“

Finanzierung: Keine spezifische Förderung