Viele Bürger in Deutschland für bessere Unterstützung bei der Tabakentwöhnung

  • BMJ Open

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Bei der Tabakentwöhnung gibt es in Deutschland laut WHO Nachholbedarf. Auch Pneumologen und Sucht-Experten kritisieren immer wieder, dass das Angebot unzureichend sei und Maßnahmen zur Nikotinentwöhnung von den Betroffenen selbst bezahlt werden müssten. Eine aktuelle repräsentative Umfrage zeigt nun, dass die Tabakentwöhnung in der Bevölkerung in Deutschland auf große Akzeptanz stößt; viele befragte Bürger stimmten etwa für eine Kostenübernahme bei wirksamen Therapien. Ergebnisse der Umfrage (Deutschen Befragung zum Rauchverhalten, DEBRA) von Dr. Sabrina Kastaun (Universität Düsseldorf) und ihren Kollegen sind nun im „BMJ Open“ erschienen.

Sozialgesetzbuch aus medizinischer Sicht überholt?

In Deutschland raucht immer noch fast ein Drittel (29 Prozent) der Bevölkerung Tabak. Im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern wie Italien, dem Vereinigten Königreich und skandinavischen Ländern ist das ein hohes Niveau. Über 80 Prozent der Raucher in Deutschland versuchen immer noch, auf eigene Faust aufzuhören. Ohne professionelle Hilfe sind die Erfolgsquoten allerdings gering. Heute erhalten in Deutschland jedoch nur vier Prozent der Raucher beim Arzt eine Kurzberatung zur Tabakentwöhnung und ein Therapieangebot.

Das liegt auch daran, dass laut Sozialgesetzbuch (SGB) bisher die medikamentöse Unterstützung der Tabakentwöhnung von der Erstattung ausgenommen ist. Solche Medikamente zählen zu den ausgeschlossenen Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln, bei deren Anwendung nur eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund stehe, so das Gesetz. „Die Daten der DEBRA-Studie zeigen, dass dieser Paragraf im SGB aus suchtmedizinischer Sicht unbedingt abgeschafft werden sollte“, so Sabrina Kastaun und ihr Mitautor Professor Daniel Kotz ihn einer Mitteilung der Universität. 

Für mehr professionelle Beratung und Kostenübernahme

Die DEBRA-Studie ist eine repräsentative, fortlaufende, computer-gestützte, persönlich-mündliche Haushaltsbefragung, die zweimonatlich soziodemographische Daten sowie Tabak- und E-Zigarettenkonsum von je etwa 2.000 Personen im Alter von 14 Jahren oder älter erhebt.

Gefragt wurde unter anderem danach, ob Rauchern standardmäßig eine Maßnahme zur Tabakentwöhnung empfohlen werden sollte und ob die Kosten dafür von Krankenkassen bzw. Versicherungs-Unternehmen übernommen werden sollten. Die Auswertung habe eine hohe Akzeptanz der professionellen Tabakentwöhnung in der Bevölkerung gezeigt, auch bei Rauchern. Männer hätten sich allerdings als nicht ganz so „wohlgesonnen“ erwiesen wie Frauen, berichten die Autoren.

Mittlerweile wurden über 38.000 Studienteilnehmer/-innen befragt, damit ist DEBRA ist eine der umfangreichsten Untersuchungen rund um das Thema Rauchen in Deutschland. Beteiligt an der aktuellen Auswertung sind außer der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf auch Wissenschaftler des University College London. Die DEBRA-Studie wurde bis 2019 vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert. Seit 2019 wird sie vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert.