Verunreinigtes Valsartan: Krebsrisiko kurzfristig nicht erhöht


  • Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten, die für einen Zeitraum bis zu 5 Jahren potenziell Nitrosodimethylamin (NDMA)- verunreinigtes Valsartan e rhielten , haben einer dänischen Registeranalyse zu Folge kein erhöhtes Malignomrisiko, mit zwei Ausnahmen: Für kolorektale Karzinome und Uteruskrebs ergab sich eine um den Faktor 1,46 und 1,81 erhöhte Erkrankungswahrscheinlichkeit (1) . Wegen eines breiten Konfidenzintervalls erreichten diese Risikoerhöhungen jedoch keine statistische Signifikanz. Das Langzeit-Malignomrisiko der NDMA-kontaminierten Präparate lässt sich noch nicht abschätzen.

Hintergrund

Im Sommer diesen Jahres haben die europäische Arzneimittelbehörde EMA und die US-amerikanische FDA Chargen von Valsartan-haltigen Medikamenten zurückgerufen, die vom chinesischen Unternehmen Zhejiang Huahai hergestellt worden waren. Der Grund: Es wurden in Valsartan-Präparaten dieses Herstellers Konzentrationen des von der WHO als wahrscheinlich krebserregend eingestuften Stoffes N-Nitrosodimethylamin (NDMA) gefunden, die teilweise erheblich über den zugelassenen Werten lag. Nach einer Veränderung des Herstellungsprozesses im Jahr 2012 hatte sich das NDMA bilden können. Die Frage, ob Patienten, die kontaminierte Präparate eingenommen haben, tatsächlich ein erhöhtes Krebsrisiko haben, ist wegen der großen Verbreitung Valsartan-haltiger Medikamente von hoher praktischer Relevanz.

Design

  • landesweite dänische Kohortenstudie
  • 5.150 dänische Patienten, die von Januar 2012 bis Juni 2017 Valsartan-Präparate einnahmen und Anfang 2012 keine Malignomdiagnose hatten
  • Quellen: Daten zu Medikamentenverschreibungen und ärztlichen Diagnosen aus öffentlichen dänischen Gesundheitsregistern
  • Alter der Teilnehmer: ≥ 40 Jahre im Januar 2012
  • Endpunkt: follow-up bis zur Diagnose Malignom, Tod, Verlassen des Landes oder bis zum 30. Juni 2017
  • Abschätzung der kumulativen NDMA-Dosis zum Endpunkt bei jedem Patienten

Hauptergebnisse

Das durchschnittliche follow-up der 5.150 Teilnehmer betrug 4,6 Jahre. Aus der Kohorte ergaben sich 7.344 Personenjahre ohne NDMA-Exposition und 11.920 Personenjahre mit NDMA-Exposition. In der Kohorte ohne NDMA-Exposition wurden 104 Malignome diagnostiziert und in der Kohorte mit NDMA-Exposition 198 Malignome. Die Hazard Ratio (HR) für eine Krebsdiagnose betrug bei NDMA-Exposition 1,09 (95-%-Konfidenzintervall; [95-%-KI]: 0,85-1,41) gegenüber der Kohorte ohne Exposition. Es gab keine Dosis-Wirkungs-Beziehung. Für kolorektale Karzinome lag die HR nach NDMA-Exposition bei 1,46 (95-%-KI: 0,79-2,73) und für Uteruskarzinome bei 1,81 (95-%-KI: 0,55-5,90).

Klinische Bedeutung

Für Patienten, die potenziell NDMA-kontaminierte Valsartsan-Präparate eingenommen haben, gibt es in Bezug auf das Kurzzeitmalignomrisiko Entwarnung: Das Risiko, innerhalb von 5 Jahren an Krebs zu erkranken, ist nicht erhöht. Eine mögliche Ausnahme sind Darm- und Uteruskrebs. Ob das Krebsrisiko im späteren Verlauf erhöht ist, lässt sich noch nicht abschätzen, es sollte nach Meinung der Autoren ein Langzeitmonitoring geben.

Die Rückrufaktionen der Zulassungsbehörden seien angemessen gewesen und transparent, heißt es im Editorial (2, 3). Der Vorfall belege, dass Medikamentenkontrollen durch staatliche Labore intensiviert werden müssten, aber auch, dass Register für die Pharmakovigilanz von hoher Bedeutung seien und ebenso die Zusammenarbeit von nationalen Behörden bei Verdachtsfällen. In Deutschland haben Schätzungen zu Folge circa 900.000 Patienten Präparate mit potenziell kontaminiertem Valsartan eingenommen. Alternativen sind die Verschreibung von Valsartan-Präparaten anderer Hersteller oder die Verordnung anderer Sartane.
 

Finanzierung: keine spezifische finanzielle Förderung