Versorgungsengpässe – ein zunehmendes Thema

Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Berlin (pag) – Vor zunehmenden Versorgungsengpässen warnen Experten auf einem Symposium der Gesellschaft für Recht und Politik im Gesundheitswesen. Prof. Frank Dörje, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Krankenhausapotheker, sagt: Versorgungsengpässe seien „kein abnehmendes, sondern ein zunehmendes Thema“.

Engpässe haben verschiedene Ursachen: Globalisierung, Konzentration von Produktionsstätten, GMP-Mängel, steigender Bedarf. Dörje, der die Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen leitet, geht auf globale Preisdifferenzen ein, ein Beispiel sind polyvalente Immunglobuline. Sie seien auf dem Weltmarkt ein knappes Gut – und Europa zahle schlechte Preise. Die Folge: Die Pharmafirmen allozierten die Mengen dort, wo der Markt besser ist. Der US-Markt und der chinesische Markt nehmen mehr auf als Europa, berichtet Dörje. „Wir haben einen Weltmarkt, den wir alle gemeinsam machen.“ Sein Appell: „Wenn wir mit Kampfpreisen arbeiten, müssen wir über Risiken und Nebenwirkungen sprechen.“

Die Nebenwirkungen der Entwicklung bekommen Kliniken zu spüren, sie kämpfen mit Arzneimittelumstellungen. Damit verbunden ist ein aufwendiger Informationsbedarf. Lieferengpässe wirkten sich unmittelbar auf die Arzneimitteltherapiesicherheit aus, so Dörje. „Jede Umstellung, die nicht gewünscht ist, ist eine zu viel.“

Im Klinikum rechts der Isar sind 2018 (Stichtag 4. Oktober) 133 Lieferengpässe aufgetreten, mehr als drei pro Woche. Davon betroffen sind insbesondere Injektionen (44,4 Prozent) und Infusionen (27,8 Prozent). Diese werden hauptsächlich bei hochkritisch Kranken eingesetzt, so der Krankenhausapotheker. Er fordert eine Lagerhaltungsverpflichtung für Pharmaunternehmen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) leitet einen Jour Fixe, der die Versorgungssituation bewertet. Bei einer Sondersitzung wurden Kriterien zur nachhaltigen Verbesserung der Lieferfähigkeit versorgungsrelevanter Basistherapeutika in Krankenhäusern erarbeitet. Es geht um die Schaffung robuster Lieferketten und angemessene Preise. „Wir müssen den Trend der Monopolisierung und Oligopolisierung durch vertragliche Maßnahmen zurückdrängen“, fordert BfArM-Abteilungsleiter Dr. Michael Horn.