Versorgungsatlas-Studie: Chronisch Kranke nur unzureichend gegen Influenza geimpft

  • Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Die Grippeschutzimpfung ist für Risiko-Gruppen unter COVID-19-Pandemiebedingungen besonders wichtig. Patienten mit chronischen Erkrankungen sind jedoch nach wie vor nur unzureichend gegen die saisonale Influenza geimpft. Das geht aus einer aktuellen Versorgungsatlas-Studie hervor, die jüngst das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) veröffentlicht hat. Danach bestehen weiterhin deutliche Ost-West-Unterschiede.

Influenza-Impfquoten chronisch Kranker verfehlt

In ihrer Studie hat das Zi die „Inanspruchnahme von Influenzaimpfungen bei chronisch kranken Personen im vertragsärztlichen Sektor“ in den Jahren 2009 bis 2018 unter die Lupe genommen. Danach hatten über 28 Millionen gesetzlich Versicherte 2017 mindestens eine chronische Erkrankung, bei der zur Influenza-Impfung geraten wird. Die Impfquoten dieser Patientenklientel variierte jedoch bundesweit erheblich, und lag je nach Erkrankung zwischen 19 Prozent bei Patienten mit multipler Sklerose und 44 Prozent bei Patienten mit chronischen Nierenkrankheiten. Damit waren die Impfquoten deutlich niedriger als von der Europäischen Union gefordert, heißt es in einer Mitteilung des Instituts.

Während im Zeitraum 2013/14 bis 2017/18 die Impfquoten zwar noch einen leicht rückläufigen bzw. stagnierenden Trend zeigten, konnte für 2018 ein leichter Anstieg verzeichnet werden. Auch während der ersten Pandemiewelle wurde verstärkt geimpft, berichtet sas Zi.

Unterschiede zwischen Ost und West

Zwischen den östlichen und westlichen Bundesländern bestehen laut Versorgungsatlas-Studie weiterhin zum Teil deutliche Unterschiede. So wurden 2017 Patienten mit Diabetes im Osten mit 55 Prozent deutlich häufiger geimpft als im Westen mit 31 Prozent. In Berlin lag die Impfquote bei Diabetikern mit 46 Prozent zwischen den mittleren Werten im Osten und Westen. Vergleichbare Ost-West-Unterschiede seien bei allen anderen chronischen Erkrankungen mit Ausnahme von Patienten mit HIV/AIDS zu beobachten, heißt es weiter. Ein Grund dafür könntelaut Zi die historisch belegte bessere Impfakzeptanz im Osten sein.

Zu wenig Impfstoff für angestrebte Impfquoten

Dabei sei eine gute Vorbereitung auf eine Grippewelle in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie gerade für alte Menschen und chronisch Kranke besonders wichtig, da sie ein hohes Risiko für schwere klinische COVID-19 Verläufe haben, betont das Zi. Mit der Influenza-Impfung könne möglichen Doppelinfektionen durch Influenza und SARS-CoV-2 wirksam vorgebeugt werden.

Auch wenn in dieser Saison mit 25 Millionen Impfstoffdosen weitaus mehr Influenza-Vakzine als in den vergangenen Jahren zur Verfügung stehen, werde dies nicht reichen, um ausreichende Impfquoten chronisch Kranker zu erreichen. Zusätzliche Mengen könnten laut STIKO-Vorsitzendem Thomas Mertens nicht nachbestellt werden, da der Grippeimpfstoff für diese Saison bereits produziert sei.

Angesichts der zu erwartenden Engpässe bei der Verfügbarkeit des Grippeimpfstoffs ist daher ein Fokus auf Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen angezeigt. Daher sollte der Individualschutz für Risikopatienten Priorität haben“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.