Verringertes Schizophrenie-Risiko mit Hunden im Haushalt: Kausalität oder nur Korrelation?

  • PLOS One

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Kinder, die mit einem Hund aufwachsen, erkranken womöglich weniger häufig an Schizophrenie als solche ohne Hund. Für Katzen fand sich kein Unterschied, und die Präsenz beider Haustiere scheint auch nicht mit der Häufigkeit der Bipolaren Erkrankung zu korrelieren.

Hintergrund

Das Risiko für mehrere schwere psychiatrische Erkrankungen ist mit frühen Umwelteinflüssen assoziiert. Als „Vermittler“ mancher Umwelteinflüsse kommen auch Haustiere wie Hunde oder Katzen in Frage, erläutern die Autoren den Hintergrund ihrer Studie.

Design

Die Studienpopulation aus der Umgebung von Baltimore (USA) bestand aus 396 Patienten mit der Diagnose Schizophrenie, 381 Personen mit einer Bipolaren Störung, und 594 Kontrollen. Geschätzt wurde das (per Cox-Regressionsanalyse und multivariaten logistischen Regressionsmodellen ermittelte) Krankheitsrisiko für diese Kohorten in Abhängigkeit davon, ob in den Haushalten während der ersten 12 Lebensjahre Hunde oder Katzen gehalten wurden. Dabei wurden die Teilnehmer auch gefragt, wann sie zum ersten Mal und zum letzten Mal einen Hund bzw. eine Katze im Haus hatten.

Ergebnisse

  • Für Haushalte, in denen Hunde gehalten wurden, ergab sich ein signifikant niedrigeres Risiko für eine Schizophrenie-Diagnose. Das Chancenverhältnis HR betrug 0,75; das 95%-Konfidenzintervall 0,63 – 0,90 bei einem p
  • Es gab keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Hundehaltung und dem Risiko einer Bipolaren Störung.
  • In Haushalten mit Katzen fand sich kein erhöhtes Risiko, weder für Schizophrenie noch für eine Bipolare Erkrankung.
  • „Wir kennen den Mechanismus nicht“, sagte Erstautor Prof. Robert H. Yolken gegenüber der New York Times. „Eine mögliche Erklärung wäre, dass ein Hund im Haus zu einem anderen Mikrobiom führt und dadurch die Wahrscheinlichkeit verändert, eine psychiatrische Erkrankung zu entwickeln.“

Klinische Bedeutung

Eine Schwäche der Studie scheint, dass die Kontrollgruppe per Aushang rekrutiert wurde, die psychisch Kranken dagegen aus mehreren Kliniken. Zu einer möglichen Verzerrung könnte auch beigetragen haben, dass die Kontrollgruppe durchschnittlich etwa 4,5 Jahre jünger war. Aber nicht nur deshalb scheint die Schlussfolgerung verfrüht, dass Hunde in Haushalt vor einer Schizophrenie schützen könnten. Erst kürzlich wurde eine Korrelation von erniedrigtem Schizophrenie-Risiko mit höherem Einkommen der Eltern bestätigt. Es ist gut möglich, dass der Besitz von Haustieren lediglich einen Marker für einen besseren sozioökonomischen Status darstellt und / oder ein Leben auf dem Land, wo die Schizophrenie-Rate bekanntermaßen niedriger ist als in der Stadt.

Finanzierung: Stanley Medical Research Institute.