Verlängerung des Überlebens bei selektierten Glioblastom-Patienten um mehr als 16 Monate


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Kombinationstherapie aus Temozolomid plus Lomustin verlängert offenbar das Überleben von Glioblastom-Patienten, die die häufigste Ergbutveränderung bei diesem Tumor tragen, einen methylierten Promotor des MGMT-Gens.

Hintergrund

Die Zahl der jährlich in Deutschland mit einem Glioblastom diagnostizierten Patienten wird auf 2400 geschätzt. Meist erhalten sie nach einer Strahlentherapie Temozolomid (TMZ) – ein Wirkstoff, der eine besonders hohe Ansprechrate zeigt, wenn die Patienten in ihrer Erbsubstanz eine spezifische Veränderung haben (eine Methylierung in der Promoter-Region des MGMT-Gens). Ein Team um den Prof. Ulrich Herrlinger, Leiter der Sektion Neuroonkologie am Universitätsklinikum Bonn, ist nun dem Hinweis aus einer Pilotstudie nachgegangen, dass TMZ in Kombination mit Lomustin die Prognose von Patienten mit methyliertem MGMT-Promoter gegenüber der Monotherapie nochmals verbessern kann.

Design

Offene, randomisierte Studie der Phase 3 mit ursprünglich 141 Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom und methyliertem MGMT-Promotor, von denen jene 129 in die modifizierte „Intention-to-treat (ITT)“-Analyse einbezogen wurden, die die Strahlentherapie begonnen hatten. Das Therapieregime der einen Gruppe bestand aus einer Chemoradiotherapie mit 59-60 Gy und TMZ 75 mg/m2, gefolgt von 4 wochenlangen Zyklen, an denen TMZ jeweils in den ersten 5 Tagen in einer Konzentration von 150 – 200 mg/m2 verabreicht wurde. In der anderen Gruppe wurden zusätzlich zur Strahlentherapie bis zu 6 Zyklen verabreicht mit 100 mg/m2 Lomustin an Tag 1 und 100 – 200 mg/m2 TMZ an den Tagen 2 bis 6.

Hauptergebnisse

  • Beim primären Endpunkt der Studie, dem Gesamtüberleben in der modifizierten ITT-Analyse, erreichten die Patienten unter TMZ mediane 31,4 Monate, mit der Kombination aus Lomustin und TMZ waren es 48,1 Monate. Dies entspricht einem Chancenverhältnis HR von 0,60 (p= 0,0492).
  • In einer sekundären Analyse der (nicht modifizierten) ITT-Population waren HR und p-Wert fast identisch (0,60 bzw. 0,0432).
  • Nebenwirkungen des Schweregrades 3 oder schlimmer wurden mit TMZ alleine bei 51 % der Patienten registriert, unter der Kombination waren es 59 %. Es gab keine Todesfälle im Zusammenhang mit der Behandlung.

Klinische Bedeutung

Von einem „bedeutenden Erfolg“ spricht Studienleiter Herrlinger in einer Pressemitteilung und verweist darauf, dass die Chemotherapie des Glioblastoms seit 2005 kaum Fortschritte gemacht habe. Sollten sich die aktuellen Ergebnisse in einer größeren Studie bestätigen, hätte die Kombinationstherapie das Potenzial zur Standardbehandlung zu werden, jedenfalls für jene etwa 35 -45 % der Patienten mit maligenen Gliomen und methyliertem MGMT-Promotor..

Finanzierung: Bundesministerium für Erziehung und Wissenschaft