Verhaltenstherapie scheint geringfügige Verbesserungen bei Myotoner Dystrophie Typ 1 zu bewirken


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine multizentrische Studie liefert Hinweise, dass eine kognitive Verhaltenstherapie die Aktivierung von Patienten mit Myotoner Dystrophie Typ 1 und starker Fatigue unterstützen kann. Auf die Lebensqualität und Krankheitslast hatte die Maßnahme aber keine Einfluss.

Hintergrund

Mit einer Inzidenz von 5/100.000 jährlich ist die Myotone Dystrophie Typ 1 die häufigste Form der Muskeldystrophie bei Erwachsenen. Die schweren körperlichen Beeinträchtigungen und Fatigue erschweren die soziale Teilnahme der Patienten.

Design

Ziel der einfach verblindeten, multizentrischen, randomisierten Studie mit 255 Patienten mit schwerer Fatigue war es zu überprüfen, ob eine kognitive Verhaltenstherapie mit oder ohne körperlichen Übungen den Gesundheitsstatus im Vergleich zur Standardbehandlung würde verbessern können. In der Verhaltenstherapie wurden in 10 – 14 Sitzungen über 10 Monate hinweg Themen wie verringerter Antrieb, Förderung der körperlichen Aktivität, regelmäßiger Schlaf und Umgang mit Schmerzen angesprochen. In zwei der vier Zentren konnten die Patienten zusätzlich ein abgestuftes Sportprogramm wählen. Der Erfolg der Maßnahmen wurde auf der 100 Punkte umfassenden Skala DM1-Activ-c gemessen.

Hauptergebnisse

  • 127 Patienten erhielten die in den Herkunftsländern übliche Standardbehandlung. 128 Patienten erhielten zusätzlich eine kognitive Verhaltenstherapie, und in dieser Gruppe wiederum 33 (26 %) zusätzlich ein körperliches Training.
  • Der DM1-Activ-c Wert erhöhte sich in den 10 Monaten unter der Verhaltenstherapie von durchschnittlich 61,22 auf 63,92 Punkte, während er unter der Standardtherapie von 63,00 auf 60,79 Punkte abnahm. Die Differenz von 3,27 Punkten war bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,93 – 5,62 statistisch signifikant (p=0,007).
  • Nebenwirkungen traten in den beiden Gruppen jeweils bei etwa 50 % der Patienten auf, in absoluten Zahlen waren sie jedoch mit 244 zu 155 Ereignissen unter der zusätzlichen Verhaltenstherapie häufiger. Am auffälligsten waren Stürze mit 155 bei 40 Patienten (31%) mit zusätzlicher Verhaltenstherapie gegenüber 71 Stürzen von 33 Patienten (26%) in der Standardtherapie.

Klinische Bedeutung

Aus einer Differenz von 3,7 Prozentpunkten über einen Zeitraum von 10 Monaten schließen die Autoren, dass eine kognitive Verhaltenstherapie die Kapazität der Patienten für Aktivitäten und soziale Teilnahme vergrößert habe. Die Aussagekraft der Studie wird allerdings geschmälert dadurch, dass an den 4 Zentren jeweils unterschiedliche Standardtherapien zum Vergleich dienten. Nur an 2 der 4 Zentren gelang es, auch körperliche Übungen anzubieten, und die Ergebnisse dieser Gruppe werden nicht separat aufgeführt, sondern mit der Verhaltenstherapie in einen Topf geworfen. Die Autoren räumen zwar ein, dass es bei der Lebensqualität und der Krankheitslast nach 10 Monaten keine signifikanten Unterschiede gegeben hat. Dennoch urteilen sie: „Da es für die Krankheit keine Heilung und nur wenige symptomatische Behandlungen gibt, könnte die Verhaltenstherapie für Patienten mit Myotoner Dystrophie Typ 1 und schwerer Fatigue in Betracht gezogen werden.“

Finanzierung: 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission.