Verhaltensgestörte weibliche Teenager weisen eine veränderte Gehirnaktivität auf

  • Raschle NM
  • Cognitive Neuroscience and Neuroimaging

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussage

  • Bei weiblichen Jugendlichen mit einer diagnostizierten Verhaltensstörung sind die emotionale Reaktion sowie die Fähigkeit Emotionen zu regulieren schwächer ausgeprägt.
  • Dies geht einher mit einer veränderten Aktivität in Hirnarealen, die für Emotionskontrolle wichtig sind.
  • Zudem sind diese Areale schlechter mit anderen Bereichen der Emotionskontrolle und -regulation vernetzt.

Hintergrund

In der Pubertät durchläuft der Körper eine Reihe von physischen und psychischen Veränderungen, die mit einer erhöhten Emotionalität einhergehen. Diese zu regulieren ist entscheidend, um im Alltag bestehen zu können. Jugendlichen mit einer Verhaltensstörung fällt dies oft besonders schwer, was zu Aggressivität und antisozialem Verhalten führen kann. Noch ist jedoch nicht vollständig geklärt, welche neurobiologischen Ursachen einer solchen Verhaltensauffälligkeit bei Jugendlichen zugrunde liegen. Die vorliegende Studie untersucht mithilfe bildgebender Verfahren, welche Veränderungen in der Gehirnaktivität und -Architektur zu einer derartigen Verhaltensstörung beitragen.

Studiendesign

Untersucht wurden 59 weibliche Jugendliche im Alter von 15–18 Jahren, darunter 30 mit einer diagnostizierten Verhaltensstörung und 29 mit einer altersgemäßen Entwicklung de s Sozialverhaltens. Mithilfe der mMRT wurde die Gehirnaktivität der Probandinnen untersucht während diese Bilder betrachteten, die entweder neutral waren oder negative Emotionen auslösten. Die Probandinnen sollten außerdem während der fMRI-Untersuchung per Knopfdruck Selbstauskunft darüber geben, ob sie die Bilder als neutral oder negativ empfanden.

Hauptaussagen

  • Laut Selbstauskunft gelang es den Probandinnen in beiden Gruppen, zwischen neutralen und negativen Bildern zu unterscheiden. Ein Vergleich ergab jedoch, dass die emotionale Reaktionsfähigkeit ebenso wie die Fähigkeit die Emotionen zu regulieren, bei den Mädchen mit Verhaltensstörungen schwächer ausgeprägt waren.
  • Die fMRT-Untersuchungen ergaben, dass bei den verhaltensgestörten Mädchen die präfrontalen und temporalen Hirnareale, die kognitive Kontrollprozesse steuern, weniger aktiv waren.
  • Darüber hinaus waren diese Bereiche weniger gut mit anderen Hirnarealen vernetzt, die für die Verarbeitung von Emotionen und die kognitive Kontrolle von Bedeutung sind.

Klinische Bedeutung

«Unsere Resultate bieten erstmals einen neuronalen Erklärungsansatz für Emotionsregulationsschwierigkeiten von Mädchen mit auffälligem Sozialverhalten», sagt Erstautorin Nora Raschle, Universität Zürich. «Die unterschiedliche neuronale Aktivität in den beiden Versuchsgruppen kann auf fundamentale Differenzen bei der Gefühlsregulation hinweisen.“ Möglicherweise spiele aber auch eine verzögerte Hirnentwicklung bei den Versuchsteilnehmerinnen mit problematischem Sozialverhalten eine Rolle. Für die Therapie könnten die Studienergebnisse nach Aussage der Studienautoren bedeuten, dass ein verstärkter Fokus auf die Emotionskontrolle hilfreich sein könnte.

Künftige Untersuchungen müssen außerdem zeigen, ob männliche Teenager mit einer Verhaltensstörung eine ähnlich auffällige Gehirnaktivität zeigen. Laut dem Forschungsteam mehren sich die Hinweise, dass die neuronalen Ausprägungen von auffälligem Sozialverhalten geschlechtsspezifisch sein könnten.

Limitierungen

  • kleine Probandengruppe
  • Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Selbstauskunft durch andere Faktoren beeinflusst wird.
  • Die Informationen über einen möglichen Substanzmissbrauch in den Tagen vor der Untersuchung waren unvollständig. Ein Konsum könnte die Ergebnisse beeinflussen.

Finanzierung

Europäische Union und andere.