Verdacht auf Influenza: Bei Schwangeren reduzieren Schnelltests unnötige Antibiosen und Notaufnahmen

  • PLOS ONE

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei schwangeren Frauen mit Symptomen, die auf Influenza hinweisen wie eine Körpertemperatur ≥ 38 °C in Kombination mit Husten oder Halsschmerzen, sollte ein Influenzaschnelltest erfolgen. Die Sensitivität der Tests ist zwar - je nach Influenzatyp oder -subtyp - nur gut bis mäßig, die Spezifität aber während einer Influenzawelle vergleichsweise hoch. Mit Schnelltests werden unnötige Antibiosen und stationäre Notaufnahmen vermieden.

Hintergrund
Während der Grippesaison gibt es Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zu Folge jährlich zwischen 1-7 Millionen Influenza-bedingte Arztbesuche. Bei einer schweren Grippewelle wie 2012/2013 wurden circa 30 000 Influenza-bedingte Krankenhauseinweisungen und circa 20 000 Todesfälle geschätzt, während es in milden Saisons wie 2013/2014 nur circa 3 000 Krankenhauseinweisungen gab und kaum Influenza-Übersterblichkeit. Bei Schwangeren ist das Risiko für schwere Verläufe allerdings deutlich erhöht. Sie sollten bei Influenza rasch therapiert werden, aber auch zeitnah eine Antibiose erhalten, wenn die Ursache der Infektion bakteriell ist. In einer großen retrospektiven Vergleichsstudie aus Frankreich ist untersucht worden, welchen Effekt Influenzaschnelltests auf die Routineversorgung haben.

Design

  • retrospektive Studie einer Gruppe von Kliniken in Paris
  • Teilnehmerinnen: Schwangere Frauen, die wegen unklaren Fiebers mit Verdacht auf Influenza eine Klinikambulanz aufgesucht hatten, und zwar vor der flächendeckenden Einführung von Schnelltests (Phase 1) und nach der flächendeckenden Einführung von Schnelltests (Phase 2)
  • Diagnostik: molekulare Tests auf Influenza mit PCR in der Phase 1 und in der Phase 2

Hauptergebnisse
Ausgewertet wurden Daten von 38 schwangeren Frauen mit Verdacht auf Influenza aus der Phase 1 und von 124 Schwangeren aus der Phase 2.

Die Diagnose Influenza wurde bei 63,2 % der Teilnehmerinnen aus der Phase 1 bestätigt und bei 52,4 % der Teilnehmerinnen aus der Phase 2. Die Rate der stationären Aufnahmen sank deutlich und hoch signifikant von Phase 1 zu Phase 2: in der Gesamtgruppe von 71,0 % auf 44,3 % und in der Gruppe mit bestätigter Influenza von 83,3 % auf 38,5 % (p

Klinische Bedeutung
Influenzaschnelltests haben bei Schwangeren mit Verdacht auf Influenza während der Wintersaison einen klaren Benefit für die Patientinnen, aber auch für das Gesundheitsversorgungssystem, so die Autoren. Sie empfehlen zeitnah zum Beginn der Symptome die Differentialdiagnostik durch PCR-basierte Influenzaschnelltests, ebenso wie auch zum Beispiel die Infectious Diseases Society of America (IDSA). In Deutschland weist das Robert-Koch-Institut darauf hin, dass Influenzaschnelltest hilfreich sein können. Die Aussagekraft der Tests hänge auch von der Qualität des Probenmaterials ab: So hätten Abstriche aus der Nase eine höhere Sensitivität als Proben aus dem Rachenraum. Ein negatives Testergebnis schließe eine Influenza allerdings nicht vollkommen aus.

Die AWMF-Leitlinie „Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen“ wird derzeit überarbeitet.

Finanzierung: öffentliche Mittel