Veränderte Reaktion auf soziale Chemosignale bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Männer mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) reagieren im Vergleich zu Individuen ohne ASS anders auf zwischenmenschliche chemische Signale, manchmal zeigen sie sogar die entgegengesetzte Verhaltensweise.

Hauptergebnisse

  • Nachdem sie einem Fremden die Hand geschüttelt haben, riechen sowohl Männer mit als auch ohne ASS jeweils etwa doppelt so oft und vier Mal lange an ihren eigenen Händen, wie vor der Begegnung.
  • Männer mit und ohne ASS können unterschiedliche Körpergerüche gleich gut unterscheiden.
  • Männer mit und ohne ASS bewerteten den Angstschweiß von Fallschirmspringern gleichermaßen als unangenehmer, intensiver und „angstvoller“ als den Schweiß von ruhig wandernden Männern.
  • Statistisch hochsignifikant war der Unterschied bei der Präsentation des Angstgeruches auf die elektrodermale Aktivität. Sie vergrößerte sich bei den neurotypischen Studienteilnehmern, bei den Probanden mit ASS blieb sie dagegen unverändert.
  • Unter kontrollierten Bedingungen zeigten die Männer mit ASS unter dem Einfluss von Angstschweiß mehr Vertrauen, Männer ohne ASS dagegen weniger Vertrauen.

Design

  • Präsentation von Körpergerüchen verschiedener Individuen sowie Angstschweiß und Schweiß von entspannten Wanderern gegenüber 36 Männern mit und ohne ASS.
  • Bestimmung und Quantifizierung der Wahrnehmung, Differenzierung und Reaktionen auf diese Gerüche, unter anderem durch Messung der elektrodermalen Aktivität.
  • Mit Roboter-Puppen, die zwei verschiedene Arten von Schweiß verströmten und Ratschläge gaben, wie eine Aufgabe zu lösen sei, wurde das Vertrauen der Probanden gemessen.
  • Finanzierung: ISF, ERC, US Air Force Office of Scientific Research, McEwen Fund.

Klinische Bedeutung

Für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen und deren Angehörige ist das eingeschränkte Verständnis für soziale Interaktionen eine erhebliche Belastung. Diese Arbeit lenkt das Augenmerk auf mögliche Defizite in der Interpretation von chemischer Signalen im zwischenmenschlichen Bereich. Da solche, oft nur unbewusst wahrgenommen menschlichen „Chemosignale“ Informationen über das Alter, Aggressionen, Furcht und Zufriedenheit Glück vermitteln können, wären nicht-neurotypische Reaktionen darauf eine neue mögliche Erklärung für das Verhalten von Menschen mit ASS. Dies könnte mittelfristig die Akzeptanz der Defizite verbessern. Ob sich daraus auch neue therapeutische Ansätze ergeben, ist noch unklar.