Venetoclax beim Multiplen Myelom: Bedenken trotz Erreichen des primären Studienziels

  • Lancet Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In der BELLINI-Studie zum Multiplen Myelom überlebten die Patienten mit dem BCL2-Inhibitor Venetoclax gegenüber Placebo zwar fast doppelt so lange ohne Progression, ihr Gesamtüberleben war jedoch geringer.

Hintergrund

Die Hemmung anti-apoptotischer Proteine wie der BCL-2-Familie, z.B. durch Venetoclax ist eine der neueren Strategien gegen das Multiple Myelom (MM). In einer Studie der Phase 1 hatte dieser Wirkstoff bei Patienten mit relapsiertem/refraktärem MM zusammen mit Bortezomib und Dexamethason eine gute Wirkung bei akzeptabler Verträglichkeit gezeigt.

Design

BELLINI ist eine randomisierte, dopple-blinde, multizentrische Studie der Phase 3 mit 291 Patienten ab 18 Jahren und einem ECOG-Status von 2 oder weniger, die an einem relapsiertem / refraktorischem MM litten und zuvor bis zu drei Therapien bekommen hatten. Sie alle erhielten 1,3 mg/m2 Bortezomib subkutan oder i.v. und 20 mg Dexamethason oral, und wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert auf 800 mg Venetoclax oral / Tag oder Placebo. Verabreicht wurden 8 Zyklen á 21 Tagen, danach weitere Zyklen á 35 Tagen bis zur Krankheitsprogression, inakzeptabler Toxizität oder Abbruch durch den Patienten.

Ergebnisse

  • Primärer Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben. Es betrug nach einer medianen Nachverfolgungszeit von 18,7 Monaten unter Venetoclax 22,4 Monate gegenüber 11.5 Monaten mit Placebo. Das Chancenverhältnis HR von 0,63 hatte ein 95%-Konfidenzintervall von 0,44 – 0,90 (p = 0,010).
  • Das Gesamtüberleben war unter Venetoclax schlechter. Bis zum Stichdatum hatte es 41 Ereignisse (21 %) gegeben, unter Placebo nur 11 (11 %). Dies entspricht einem HR von 2,03 (p = 0,034) zuungunsten von Venetoclax.
  • Die häufigsten Nebenwirkungen des Grades 3 oder schlimmer waren:
    • Neutropenie mit 18 % unter Venetoclax gegenüber 7 % unter Placebo,
    • Pneumonien 16 versus 9 %
    • Thrombozytopenie 15 versus 30 %
    • Anämien je 15 %
    • Diarrhoe 15 versus 11 %.
  • Schwere Nebenwirkungen gab es in beiden Gruppen ähnlich häufig (48 versus 50 %), allerdings verstarben 8 (4 %) Patienten an Infektionen im Laufe der Behandlung, alle unter Venetoclax.

Klinische Bedeutung

Zwar wurde der primäre Endpunkt erreicht, beim Gesamtüberleben zeichnete sich allerdings eine Unterlegenheit der Versuchsmedikation ab. Zudem gab es mehrere Todesfälle durch Infektionen unter Venetoclax, die den Autoren zu denken geben. Sie führen dies auf eine höhere Suszeptibilität von Patienten mit t(11;14) Translokationen zurück. Dies unterstreiche die Bedeutung einer angemessenen Selektion der Patienten bei dieser Therapie-Option.

Finanzierung: AbbVie und Genentech.