Vena-cava-Filter nach Lungenembolie erhöhen möglicherweise die Mortalität


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Unter US-amerikanischen, selbstzahlenden Patienten, die nach einer Lungenembolie einen Vena-cava-Filter implantiert bekamen, war die Mortalität nach einem Jahr verschiedenen Analysen zufolge um den Faktor 1,35 – 2,19 erhöht.

Hintergrund

Kommt es trotz ausreichender medikamentöser Antikoagulation nach einer Lungenembolie zum Rezidiv, oder sind solch Arzneien kontraindiziert, kann die Implantation eines Filters in der unteren Hohlvene (Vena-cava-Filter) erwogen werden. Einer aktuellen Untersuchung zufolge wurde die Prozedur bei jedem 6. betroffenen Selbstzahler in der öffentlichen Krankenversicherung Medicare durchgeführt, obwohl es nur wenig Evidenz für die Sicherheit und den Nutzen der Filter gibt.

Design

In der aktuellen Studie wurde mit 3 verschiedenen statistischen Prozeduren nach einer Assoziation zwischen dem Gebrauch von Vena-cava-Filtern und der Mortalität nach 30 Tagen und nach einem Jahr gefragt. Die Daten stammten von 214.579 Medicare-Selbstzahlern über 65 Jahren (Durchschnitt: 78 Jahre). 28.735 waren nach akuten Lungenembolien implantiert worden, 185.844 weitere dienten als Kontrollgruppe.

Hauptergebnisse

  • Patienten, die einen Filter implantiert bekamen, hatten eine höhere 30-Tage-Mortalität (11,6 % vs 9,3 %). Das adjustierte Chancenverhältnis OR betrug 1,02 mit einem 95%-Konfidenzintervall von 0,98 – 1,06 und war somit nicht signifikant. Da es sich nicht um eine Fall-Kontroll-Studie handelte, unterschieden sich die beiden Gruppen in vielerlei Hinsicht, mit einer tendenziell höheren Krankheitslast unter den Implantatempfängern. Daher wurde eine inverse Wahrscheinlichkeits-Gewichtung angewandt. Sie ergab eine OR von 1,16 bei einem 95%-KI von 1,12 – 1,21, sprach also gegen die Implantate.
  • Die 1-Jahres-Mortalität jener Patienten, die länger als 30 Tage überlebten, betrug mit Filtern 20,5 % gegenüber 13,5 % ohne Filter. Hier ergab sowohl die adjustierte OR mit 1,35 als auch die per inverser Wahrscheinlichkeits-Gewichtung errechnete OR von 1,56 eine signifikant höhere Mortalität bei den Implantat-Empfängern.
  • In einer dritten Analysevariante wurden jeweils 2 Individuen mit und ohne Implantate, ansonsten aber möglichst gleichen Eigenschaften verglichen („gematcht“). Wiederum fand sich dabei eine höhere Mortalität mit Implantaten. Die OR betrugen nach 30 Tagen 1,61 (95%-KI 1,50 – 1,73) sowie nach einem Jahr 2,19 (95%-KI 2,06 – 2,33)

Klinische Bedeutung

„Unsere Studie deutet nicht auf eine Assoziation zwischen Vena-cava-Filtern und niedrigerer Mortalität hin“, formulieren die Studienautoren zurückhaltend. Sie stehen damit im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, bei denen Verzerrungen („Bias“) möglicherweise weniger gründlich berücksichtigt wurden. Andererseits ist die Studienpopulation (Selbstzahler) in der aktuellen Untersuchung möglicherweise nicht repräsentativ für die US-Gesamtbevölkerung und das Ergebnis daher auch nicht ohne weiteres auf das deutsche Gesundheitssystem zu übertragen. Den Autoren ist dies bewusst, daher lautet ihre Forderung es müssten mehr und bessere, randomisierte klinische Studien zu dieser Thematik durchgeführt werden.

Finanzierung: National Heart, Lung, and Blood Institute; National Institutes of Health. Als mögliche Interessenkonflikte geben der Erst- und der Seniorautor an, als Gutachter zugunsten von Schadensersatzklagen für die Empfänger von Vena-cava-Filtern tätig gewesen zu sein.