Vasopressin-Blockade verbessert soziale Funktionen bei Patienten mit Autismus-Spektrum-Störungen

  • Science Translational Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die soziale Funktion Erwachsener mit Autismus-Spektrum-Störungen kann möglicherweise durch Hemmung des Vasopressin-Rezeptors verbessert werden. Ein positives Signal gab es allerdings nur bei 2 von 8 Endpunkten der VANILLA-Studie.

Hintergrund

Seit das Neuropeptid Vasopressin als einer von mehreren möglichen Regulatoren sozialen Verhaltens identifiziert wurde, stellt dessen Modulation ein therapeutisches Ziel für Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) dar. Ein solcher Modulator ist Balovaptan, ein oral verabreichter Antagonist des Vasopressin V1a-Rezeptors.

Design

In der randomisierten Phase 2-Studie VANILLA (Vasopressin Antagonist to Improve SociaL Communication in Autism) erhielten 223 Männer mit ASS und einem Intelligenz-Quotienten ≥ 70 über 12 Wochen täglich Balovaptan in einer Dosierung von 1,5 mg, 4 mg und 10 mg bzw. Placebo. Der primäre Endpunkt für die Wirksamkeit war die 2. Ausgabe der vom Betreuer bewerteten Social Responsiveness Skala (SRS-2), außerdem wurde der Gesamtscore auf den Vineland-II Adaptive Behavior-Skalen erfasst.

Ergebnisse

  • Das mediane Alter in den 4 Gruppen betrug 22 bis 26 Jahre, der IQ reichte median von 95,5 bis 98,5. Die Behandlung gemäß Protokoll beendeten 86,1 % (n = 192) der Studienteilnehmer, einschließlich des Sicherheits-Follow-Ups 6 Wochen danach waren es 83,4 %.
  • Im Vergleich zum Studienbeginn gab es unter keiner der 3 Balovaptan-Dosierungen signifikante Verbesserungen beim SRS-2 gegenüber Placebo.
  • Die 116 Teilnehmer, die Balovaptan in einer Dosis von mindestens 4 mg erhalten hatten, verbesserten sich im Vergleich zu Placebo auf der Vineland-II Adaptive Behavior-Skala. Bei Anpassungsfähigkeit und Aktivitäten des täglichen Lebens waren sie signifikant besser, mit geschätzten Behandlungdifferenzen und Effektgrößen für die 4 mg-Dosierung von 3,95 und 0,59 (P = 0,005) und für die 10 mg-Dosierung von 4,87 und 0,49 (P = 0,074).
  • Bei der Pädiatrischen Lebensqualität-Skala (PedsQL), einem exploratorischen Endpunkt, wurden deutliche Verbesserungen in der 10 mg-Dosierung im Gesamtwert, bei kognitiven Funktionen und familiären Auswirkungen beobachtet.
  • Während des Studienzeitraums kam es zu 7 schweren Nebenwirkungen, davon 6 unter Balovaptan. Allerdings wurde nur ein Ereignis (Rhabdomyolyse) als Behandlungs-verwandt eingestuft.

Klinische Bedeutung

Die mit den höheren Dosierungen erzielten Verbesserungen gegenüber Placebo von 3,95 bzw. 4,87 auf der Vineland-II Adaptive Behavior-Skala sind größer, als die kürzlich in einem Report definierte minimale klinisch bedeutsame Differenz. Auch wenn die Autoren auf eine Arbeitsgruppe hinweisen, die kürzlich eine „Depriorisierung“ der SRS-2-Skala empfohlen hat, sollte nicht übersehen werden, dass die Studie diesen - den primären - Endpunkt verfehlt hat, und sich auch bei 5 anderen sekundären Endpunkten (RBS-R, ABC, ADAMS, STAI, and CGI-I) keine signifikanten Verbesserungen ergaben.

Finanzierung: F. Hoffmann–La Roche.