Vaginal-operative Entbindung: Antibiotikaprophylaxe senkt Infektionsrisiko, auch bei der Saugglocke

  • Lancet

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei einer vaginal-operativen Beendigung des Geburtsvorgangs mit Hilfe einer Saugglocke oder einer Geburtszange senkt die möglichst zeitnahe, einmalige Injektion von Amoxicillin/Clavulansäure das Risiko für Infektionen der Mutter innerhalb der darauffolgenden 6 Wochen deutlich und hoch signifikant. Das Infektionsrisiko ist zwar nach Anwendung der Saugglocke niedriger als bei der Geburtszange. Aber auch bei der Saugglocke hat die Antibiotikaprophylaxe in Bezug auf das Infektionsrisiko Vorteile im Vergleich zu Placebo.

Hintergrund

Die operative vaginale Entbindung mit Hilfe von Forceps oder Saugglocke (Vakuumextraktion; VE) am Kopf des Kindes soll die 2. Phase der Geburt unterstützen und damit die Entbindung erleichtern. Erhöhte Infektionsrisiken für die Mutter im Vergleich zur vaginalen Spontangeburt entstehen vor allem durch den meist längeren Geburtsvorgang mit vielen Untersuchungen. Aber auch Blasenkatheterisierung und mögliche Zervix- und Scheideneinrisse oder ein Dammschnitt erhöhen das Risiko für Infektionen. Das ist vor allem für die Forceps-Anwendung bekannt, in geringerem Maße aber auch bei der VE. Fragestellung einer großen, prospektiv randomisierten Studie an britischen Entbindungsstationen war, ob eine Antibiotikaprophylaxe bei vaginal-operativer Entbindung das Infektionsrisiko der Mutter senkt.

Design

  • prospektiv randomisierte, kontrollierte und verblindete Studie
  • Studienzentren: 27 Entbindungsstationen an britischen Kliniken
  • Teilnehmerinnen: 3.427 Frauen (≥ 16 Jahre), bei denen während des Geburtsvorgangs eine VE oder Forceps angewendet werden mussten
  • Randomisierung: 1 : 1
  • Studientherapie: Injektion von 1 g Amoxicillin/200 mg Clavulansäure möglichst zeitnah, maximal aber 6 Stunden nach Entbindung oder von 20 ml Kochsalzlösung
  • primärer Endpunkt: mikrobiologisch bestätigte oder wahrscheinliche Infektion der Mutter bis zu 6 Wochen nach Geburt

Hauptergebnisse

Von 1.619 Müttern aus der Verumgruppe und von 1.606 Frauen mit Placebotherapie lagen vollständige Daten vor (n = 3.225). Bei 63 % der Entbindungen war eine Geburtszange angewendet worden und bei 37 % eine Saugglocke. Die Antibiotikaprophylaxe reduzierte das Infektionsrisiko bei Forceps-Entbindung um 38 %, nämlich von 22 % (Placebo) auf 13 % (Verum). Bei der VE verringerte sich das Risiko um 44 %, nämlich von 14 % (Placebo) auf 8 % (Verum). Für alle Formen operativ-vaginaler Entbindungen betrug die Risikoreduktion 42 % (p

Klinische Bedeutung

Bei  operativer vaginaler Entbindung sollte grundsätzlich eine Antibiotikaprophylaxe erwogen werden, resümieren die Autoren, das durchschnittliche Infektionsrisiko der Mutter sinke dadurch signifikant. Sie empfehlen, nationale und internationale Leit- oder Richtlinien entsprechend anzupassen. Für die Prophylaxe seien verschiedene Antibiotika möglich.

In der Studienpopulation betrug die Rate der Episiotomien 89 %. Der Dammschnitt sei damit sehr häufig gewesen, auch für die vaginal-operative Entbindung, so die Autoren. Dies sei bei der Bewertung für einzelne Länder zu berücksichtigen. In Deutschland wird bei einer vaginal-operativen Entbindung die Saugglocke häufiger verwendet als die Forceps. 

Finanzierung: Keine Angaben.