USA: Betriebliches Gesundheitsprogramm bringt in randomisierter Studie keine Verbesserung

  • JAMA Internal Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Nach 2 Jahren eines betrieblichen Programmes zur Gesundheitsförderung gab es in einer großen randomisierten Studie keine objektiven Verbesserungen in der Biometrie oder bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen.

Hintergrund

Obwohl es zahlreiche Programme zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge gibt, wurden diese bisher nur selten in randomisierten Studien auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

Design

Randomisierte klinische Studie von 2 Jahren Dauer mit 4834 Angestellten der University of Illinois im durchschnittlichen Alter von 43,9 Jahren. 3300 Personen durften an dem Programm namens iThrive teilnehmen, 1534 durften dies nicht und dienten als Kontrollgruppe. Das Programm bestand aus jährlich 3 Komponenten, die mit unterschiedlich hohen finanziellen Belohnungen und/oder bezahltem Urlaub verknüpft waren: Biometrisches Screening und Befragung vor Ort, eine Online-Risikoabschätzung, sowie gesundheitsfördernde Aktivitäten wie körperliche Bewegung, Anti-Rauch-Programme oder Instruktionen zum Krankheitsmanagement. Als Zielwerte dienten die biometrischen Daten, Antragsstellungen wegen medizinischer Diagnosen, die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, sowie die Berichte der Teilnehmer zu ihrem Gesundheitsverhalten.

Ergebnisse

  • Bei den biometrischen Daten, medizinischen Diagnosen und Leistungen gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, weder nach 12 noch nach 24 Monaten.
  • In der Interventionsgruppe war nach 24 Monaten der Anteil derjenigen, die einen Hausarzt in Anspruch genommen hatten, mit 92,2 % signifikant höher als in der Kontrollgruppe (86,1 %).
  • In der Selbstbewertung gab es signifikante (P = 0,02) Verbesserungen in der Interventionsgruppe bei der subjektiven Einschätzung einer Reihe von Gesundheitsparametern, nämlich der Wahrscheinlichkeit, einen BMI über 30 zu haben, erhöhte Blutfettwerte, Zucker und Bluthochdruck.

Klinische Bedeutung

Auf den ersten Blick erweist sich dieses Gesundheitsprogramm als Fehlschlag. Messbar war lediglich eine geringfügige Verbesserung (0,07 Standardabweichungen) im Glauben an eine Reihe von Gesundheitsparametern, deren Veränderungen aber objektiv nicht nachweisbar waren. Für die verstärkte Inanspruchnahme eines Hausarztes in der Interventionsgruppe gibt es mehrere mögliche Erklärungen, z.B. eine Sensibilisierung gegenüber körperlichen Beschwerden, aber auch mögliche Überlastungen und Verletzungen im Training. Die Kommentatorin Jean Marie Abraham (School of Public Health, University of Minnesota) verweist auf frühere Studien, die ebenfalls keine Verbesserung der biometrischen Daten zeigen konnten. Denkbar wäre aber nicht nur, dass die getesteten Gesundheitsprogramme schlichtweg ineffektiv, und/oder die Anreize für die Zielpopulation suboptimal waren, sondern auch dass die Effekte weitaus länger als 2 Jahre brauchen, um sich zu manifestieren,

Finanzierung: National Institutes of Health, National Science Foundation, u.a.