US-Studie: Wovon Entscheidungen von Kardiologen abhängen

  • Heart

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ihre medizinischen Entscheidungen werden nach Angaben von Kardiologen von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, darunter organisatorische und auch finanzielle Faktoren. Leitlinien haben den Angaben zufolge eine eher geringe Bedeutung. 

Hintergrund

Die medizinische Versorgung von Patienten hängt von vielen Faktoren ab. Eine ganz wesentliche Rolle für die Versorgung haben ärztliche Entscheidungen. Eine genaue Kenntnis der Faktoren, die die ärztlichen Entscheidungen beeinflussen, ist wichtig, um die Versorgung zu verbessern. Um eine qualitativ hochwertige Diagnostik und Therapie zu gewährleisten, werden Leitlinien erstellt, die allerdings aus unterschiedlichen Gründen immer wieder kritisiert werden. Seit einigen Jahren wird in wohlhabenden Ländern wie den USA und auch Deutschland auch darüber diskutiert und gestritten, dass zunehmend nicht-medizinische Faktoren das ärztliche Handeln beeinflussen oder gar bestimmen - mit Folgen für die Qualität der Versorgung. So haben zum Beispiel gerade Fachgesellschaften in Deutschland davor gewarnt, dass in Zukunft immer mehr ökonomische Kriterien beim Einkauf von orthopädischen Implantaten, etwa Hüftprothesen, eine deutlich größere Rolle spielen könnten als primär medizinische Überlegungen. Die Auswahl der Implantate sollte aber auch weiterhin primär in den Händen der Ärzte liegen, um eine hohe Qualität der Versorgung zu gewährleisten. In der vorliegenden Studie wurden US-Kardiologen nach den Faktoren befragt, die ihre Entscheidungen beeinflussen. 

Design

An der Umfrage-Studie nahmen 18 US- und drei kanadische Kardiologen teil (14 Kliniker). Gefragt wurden sie nach den Faktoren, die ihre Entscheidungen beeinflussen.


Hauptergebnisse

Als wichtigste Faktoren für ihre medizinischen Entscheidungen nannten die Kardiologen:

  • Kontakt, Austausch und Diskussionen mit Kollegen, Patienten und Verwaltungsangestellten
  • Finanzielle Anreize
  • Systemfaktoren
  • Zeitmangel
  • Angst vor einem Rechtsstreit
  • Die Befürchtung, etwas zu übersehen
  • Wünsche und Forderungen der Patienten

Alle diese Faktoren hatten mehr Bedeutung als Leitlinien, über die sich einige Kardiologen außerdem sehr skeptisch äußerten.

Klinische Bedeutung

Diese Ergebnisse aus den USA und Kanada sind zwar nicht einfach auf Deutschland zu übertragen. Zudem sind es nur recht wenige Kardiologen, die an der Umfrage-Studie teilnahmen. Allerdings haben Umfragen unter Ärzten in Deutschland und auch anderen Ländern ebenfalls gezeigt, welche Relevanz für klinische Entscheidungen Faktoren wie etwa Zeitmangel, Angst vor juristischen Konsequenzen und Bürokratie haben. Auch in Deutschland - und auch nicht nur bei Kardiologen - dürften Leitlinien-Empfehlungen nur ein entscheidungsrelevanter Faktor sein, dessen Gewicht möglicherweise kleiner ist als erhofft. Strategien, die eine verbesserte medizinische Versorgung zum Ziel haben, sollten, so die Schlussfolgerung der US-Autoren, daher auch diese „kontextualen Faktoren“  verstärkt berücksichtigen.

Finanzierung: Den Autoren zufolge gab es für die Studie keine finanzielle Unterstützung.