US-Studie: Knapp jeder fünfte Autounfall geht auf das Konto von Müdigkeit

  • Susanne Kressenstein
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft: Wer zu kurz oder wegen Schlafapnoe schlecht geschlafen hat, erhöht damit wesentlich sein Risiko, einen Verkehrsunfall zu verursachen.

Hintergrund: Schlafmangel bei Erwachsenen liegt zum einen an der Dauer des Schlafes und zum anderen an dessen Qualität. Vor allem Schlafapnoe führt dazu, dass viele Menschen morgens nicht erholt aufwachen. Übermäßige Schläfrigkeit ist erwiesenermaßen ein Risikofaktor für Unfälle im Straßenverkehr. Aber welche anteilsmäßige Rolle spielt Schlafmangel tatsächlich bei KFZ-Unfällen?

Design: Ausgewertet wurden die Daten der US-amerikanischen Sleep Heart Health Study, an der 3.200 Männer und Frauen im Alter zwischen 40 und 89 Jahren teilnahmen. Die Schlafapnoe wurde mittels Heim-Polysomnographie ermittelt. Dabei diente der Apnoe-Hypopnoe-Index als Maß für den Schweregrad des Schlafapnoe-Syndroms. Parallel dazu wurde mit Hilfe von Fragebögen die übliche Schlafdauer und die Tagesschläfrigkeit festgestellt. Zwei Jahre später wurde anhand eines Fragebogens ermittelt, inwieweit das Schlafverhalten und Autounfälle korrelierten. 

Ergebnisse: 6,9 Prozent aller Teilnehmer berichteten von mindestens einem Autounfall im vergangenen Jahr. Es ergab sich eine signifikante Korrelation zwischen dem Unfallrisiko und einem erhöhten Apnoe-Hypopnoe-Index, wenig Stunden Schlaf pro Nacht und laut Fragebogen geschildeter Tagesmüdigkeit. Teilnehmer mit einer leichten Schlafapnoe hatten im Vergleich zu Teilnehmern ohne Apnoe ein um 7 Prozent erhöhtes Unfallrisiko. Bei einer mittelschweren Apnoe war das Risiko um 13 Prozent und bei den Studienteilnehmern mit einer schweren Apnoe um 23 Prozent erhöht.

Auch die Schlafdauer hatte einen großen Einfluss auf das Unfallverhalten. Wer nur 6 Stunden (statt 7 oder 8 pro Nacht) schlief, hatte ein um 33 Prozent erhöhtes Risiko für einen Autounfall. Wer weniger als 5 Stunden geschlafen hat, hat ein um beinahe die Hälfte erhöhtes Unfallrisiko.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass jeder zehnte Autounfall die Folge von Schlafapnoe ist und jeder neunte die Folge von einer zu kurzen Nacht mit Schlaf unter 7 Stunden. Das bedeutet, dass insgesamt knapp jeder fünfte Unfall auf das Konto von schlechtem oder zu kurzem Schlaf geht. 

Klinische Bedeutung: Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Ob sie allerdings auch auf deutsche Straßenverhältnisse übertragbar sind, kann hier nicht beantwortet werden. Zumal ja schon die Verkehrsverhältnisse in den USA völlig andere sind als in Deutschland. Eine Studie der Techniker Krankenkasse zeigt, dass hierzulande jeder vierte Erwachsene nicht einmal sechs Stunden Schlaf bekommt. Es wird geschätzt, dass fünf bis zehn Prozent der Deutschen an einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom leiden. 

Finanzierung: National Heart, Lung and Blood Instituteund zahlreiche Stiftungen