US-Studie findet bessere geistige Leistungen bei Schulkindern, die seltener vor dem Bildschirm sitzen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Ausführliche Tests der geistigen Leistung von US-amerikanischen Schulkindern und der Vergleich mit Bewegungs- Schlaf- und Medienkonsumgewohnheiten validieren die diesbezüglichen Empfehlungen, auf Bewegung und ausreichend Schlaf zu achten, sowie die „Bildschirmzeit“ der Kinder in ihrer Freizeit auf maximal 2 Stunden pro Tag zu begrenzen.

Hintergrund

Für die Entwicklung des Gehirns sind Kindheit und Jugendalter besonders kritische Perioden, während derer die Verhaltensmuster über den Tag hinweg zur kognitiven Leistung beitragen.

Design

Vor dem Hintergrund der kanadischen Empfehlungen für Kinder zwischen 8 und 11 Jahren von mindestens 60 Minuten Bewegung / Tag, maximal 2 Stunden vor dem Bildschirm und 9 – 11 Stunden Schlaf wurden in dieser Beobachtungsstudie die Daten von 4524 US-amerikanischen Schulkindern ausgewertet, die an der ersten Erhebung der „Adolescent Brain Cognitive Development“-Studie teilgenommen hatten. Die allgemeine geistige Leistungsfähigkeit wurde mit der NIH Toolbox gemessen, die7 validierte und verlässliche psychometrische Tests zu den kognitiven Bereichen Sprache, episodisches- und Arbeitsgedächtnis, Exekutivfunktionen, Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit umfasst.

Hauptergebnisse

  • Von den 3 Empfehlungen wurden durchschnittlich nur 1,1 eingehalten.
  • 51 % der Kinder bekamen ausreichend Schlaf, 37 % erfüllten die Empfehlungen von maximal 2 Stunden täglich vor dem Bildschirm, und lediglich 18 % erreichten die vorgesehenen 60 Minuten Bewegung am Tag. Wenigstens eine der Empfehlungen befolgten 71 % der Kinder, alle 3 Empfehlungen nur 5 %.
  • Die geistige Leistung der Kinder korrelierte positiv mit der Anzahl der erfüllten Empfehlungen: Im Vergleich zu denjenigen, die keine der Empfehlungen erfüllten, waren Kinder die alle 3 Kriterien schafften, geistig überlegen (ß = 1,44; 95%-Konfidenzintervall 1,43 – 6,34; p=0,0019). Dies galt auch für Kinder, die lediglich die begrenzte Bildschirmzeit einhielten (ß = 4,25; p

Klinische Bedeutung

Die Angabe der Ergebnisse in Form von ß-Koeffizienten statt der gebräuchlicheren Chancenverhältnisse / Odds ratios erschwert es zwar, die Größe der Effekte einzuordnen, doch wird die Weisheit, dass Bewegung gut ist für den Geist, auch in dieser Studie bestätigt. Bemerkenswert ist die eindeutige Empfehlung, die darüber hinaus geht, nämlich die Freizeitaktivitäten vor dem Bildschirm zu begrenzen und gesunde Schlafgewohnheiten zu fördern, um die Kognition der Kinder zu verbessern. Die in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie von der Weltgesundheitsorganisation verlautbarten Empfehlungen zur Bewegung von Kindern und Jugendlichen sind leider uneinheitlich und machen (mit Ausnahme Deutschlands) im Gegensatz zur Referenz in der aktuellen Studie keine konkreten Vorgaben zum Medienkonsum.

Finanzierung: National Institutes of Health.