US-Studie bestimmt Häufigkeit von Brustkrebs-Suszeptibilitätsgenen bei postmenopausalen Frauen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Prävalenz von pathogenen Varianten Brustkrebs-assoziierter Gene lag bei einer unselektierten Auswahl postmenopausaler Patientinnen bei 3,55 % und damit etwa 3 Mal höher als bei nicht erkrankten Frauen.

Hintergrund

Nach einer Brustkrebsdiagnose stellt sich für viele Patientinnen die Frage, ob es sich um eine erbliche Variante handelt, und ob z. B. die Kinder somit ein erhöhtes Risiko haben. Eine Testung kann in dieser Situation zwar einerseits wertvolle Informationen für die weitere Therapie der Betroffenen bringen, wie auch bezüglich des Monitoring von Familienangehörigen. Gleichzeitig kann schon die Möglichkeit eines Gentests auch zu erheblichen psychischen Belastungen führen, weshalb eine Beratung in Deutschland zwingend vorgeschrieben ist. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie verbreitet familiäre Brustkrebs-Risikogene sind. Dies wurde bei der größten Untergruppe von Brustkrebs-Patientinnen, nämlich Frauen nach der Menopause, bisher kaum untersucht.

Design

Die Untersuchung hatte zum Ziel, die Prävalenz pathogener Varianten von Brustkrebs-Suszeptibilitätsgenen bei postmenopausalen Frauen zu bestimmen, die an Brustkrebs erkrankt sind. Die Forscher stützten sich dabei auf Daten der Women´s Health Initiative, einer prospektiven Studie zur Morbidität und Mortalität, die in den Jahren 1993 bis 1998 exakt 161.808 postmenopausale Frauen zwischen 50 und 79 Jahren rekrutiert hatte. 2195 Frauen, die bis zum September 2017 erstmalig an Brustkrebs erkrankt waren, wurden dann 2322 Kontrollen mit möglichst ähnlicher Charakteristik gegenübergestellt. Die Analyse auf die Präsenz von „Krebsgenen“ erfolgte durch „Next-Generation“-Sequenzierung und Detektion größerer Rearrangements der Erbsubstanz mittels eines Panels der Firma Myriad, das 28 Gene abdeckte.

Ergebnisse

  • Das Durchschnittsalter der Brustkrebs-Patientinnen hatte bei der Diagnose 73 Jahre betragen. Während in dieser Gruppe die Personen weißer Abstammung 66,3 % ausmachten, waren es in der Kontrollgruppe 84,9 %.
  • Pathogene Genvarianten (PV) wurden insgesamt bei 241 der 4517 Studienteilnehmerinnen gefunden – 148 unter denjenigen, die an Brustkrebs erkrankt waren (6,74 %) und 93 unter den Kontrollpatientinnen (4,01 %). Der Unterschied war hochsignifikant (P
  • Unter den bei Patientinnen detektierten PV betrafen etwa die Hälfte (n = 78) Brustkrebs-assoziierte Gene und zwar mit absteigendem Anteil an der Gesamtzahl der Patientinnen: BRCA2 (0,87 %), ATM (0,73 %), PALB2 (0,64 %), CHEK2 (0,59 %), BRCA1 (0,32 %), BARD1 und BRIP1 (je 0,18 %) sowie CDH1 und NBN (je 0,05%).
  • Ebenfalls auffällig waren PV anderer Gene, die nicht als Brustkrebs-assoziiert gelten, wie z.B. MYH (1,73 %), APC (0,96 %), die beiden Lynch-Syndrom-Gene MSH6 und PMS2 (je 0,14 %) sowie CDKN2A und RAD51D (ebenfalls je 0,14 %). Im Gegensatz zu den Brustkrebs-assoziierten Genen gab es allerdings hier keine klaren Unterscheide in der Häufigkeit der PV bei Patientinnen gegenüber den Kontrollen.
  • Unter den Frauen, die PV der bekanntesten Brustkrebsrisikogene hatten, erfüllten von den Erkrankten 30,8 % die Voraussetzungen für eine Testung gemäß US-amerikanischer Leitlinien gegenüber 20 % unter den Kontrollen. Dieses Verhältnis war ähnlich unter Frauen mit PV in anderen Brustkrebs-assoziierten Genen. Hier waren die Testvoraussetzungen bei 34 % der Erkrankten und bei 16 % der Kontrollen gegeben.

Bedeutung

Die Quantifizierung der Häufigkeit pathogener Varianten von „Brustkrebsgenen“ bei postmenopausalen Frauen war überfällig und liefert eine gute Grundlage für die Diskussion, wann welche Tests sinnvoll sind. Die Autoren glauben, die Prävalenz von PV sei hoch genug, um auch ohne frühe Diagnose oder familiärer Vorgeschichte zu testen. Datengrundlage ist allerdings eine Population US-amerikanischer Frauen, die möglicherweise nicht repräsentativ ist, und deren ethnische Zusammensetzung sich von der deutschen Bevölkerung unterscheidet.

Finanzierung: Myriad Genetics, Suzanne Pride Bryan Fund for Breast Cancer Research, Jan Weimer Faculty Chair in Breast Oncology, und die BRCA Foundation.