US-Gesundheitswesen: Fast 30 Milliarden Dollar an Werbemaßnahmen zielen auf Ärzte und Patienten


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In den Vereinigten Staaten haben sich die Marketingausgaben im Gesundheitswesen in den zwei Jahrzehnten bis 2016 annährend verdoppelt. Werbemaßnahmen im Umfang von etwa 20 Milliarden Dollar zielten im letzten Berichtsjahr auf medizinische Fachkräfte, weitere 10 Milliarden direkt auf die Verbraucher.

Hintergrund

Wie in anderen Wirtschaftszweigen kämpfen auch im Gesundheitswesen Hersteller und Interessensgruppen mit einer Vielzahl von Methoden um Marktanteile. Werbekampagnen zielen darauf ab, die Meinung der Öffentlichkeit und von Ärzten bezüglich des Nutzens und der Risiken von verschreibungspflichtigen Präparaten und Labortests zu beeinflussen oder die Definition einiger Krankheiten zu verändern. Hier sollten nun diesbezügliche Trends in den Vereinigten Staaten dargestellt werden.

Design

Analyse für die Jahre 1997 bis 2016 zum Umfang der Werbung bei Verbrauchern und Ärzten, gesetzlichen Regelungen und Maßnahmen der US-Zulassungsbehörde, sowie weiterer Einrichtungen.

Hauptergebnisse

  • In den 20 Jahren des Untersuchungszeitraumes haben sich die Marketing-Ausgaben zugunsten von Arzneien, Krankheitsaufklärung, Gesundheitsdiensten und Labortests von 17,7 auf 29,9 Milliarden Dollar (26,38 Milliarden Euro) erhöht.
  • Den größten Anteil hatte die an medizinisches Fachpersonal gerichtete Werbung, die von $15,6 Milliarden im Jahr 1997 auf $20,3 Milliarden im Jahr 2016 gestiegen war, wobei sich der Anteil an den Gesamtausgaben von 88 % auf 68 % reduzierte.
  • Den größten Zuwachs gab es bei Anzeigenkampagnen, die direkt an die Verbraucher gerichtet waren (direct to consumer, DTC). Sie vermehrten sich von 2,1 Milliarden auf 9,6 Milliarden Dollar, wodurch sich der Anteil an den gesamten Ausgaben von 11,9 % auf 32,0 % erhöhte.
  • Während verschreibungspflichtige Medikamente im Jahr 1997 beim Verbraucher noch in 79000 Anzeigen für insgesamt 1,3 Milliarden Dollar beworben wurden, waren es 2016 bereits 4,6 Millionen Anzeigen (davon 663.000 im Fernsehen) für 6 Milliarden Dollar. Dabei stellen die Autoren eine Verlagerung der Anzeigen in Richtung hochpreisiger Biologika und Immuntherapien gegen Krebs fest.

Klinische Bedeutung

Bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Bewerbung von Arzneimitteln gibt es weltweit große Unterschiede, insbesondere bezüglich DTC für verschreibungspflichtige Medikamente. Dennoch reicht die Bedeutung der von Lisa M. Schwartz und Steven Woloshin vorgelegten Analyse über die USA hinaus, da sie die Entwicklung des Werbegeschäfts in einem der größten und weltweit teuersten Gesundheitswesen transparenter macht. Sowohl der Umfang als auch die vielschichtige Natur von Marketingmaßnahmen verdienen besondere Aufmerksamkeit, da sie zweifellos die Präferenzen und Entscheidungen von Patienten wie auch Ärzten beeinflussen können.

Finanzierung: Keine Angaben.