US-Bürger mit erhöhten Pyrethroid-Konzentrationen im Urin sterben drei Mal häufiger an Herzleiden

  • JAMA internal Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

In einer repräsentativen Stichprobe von US-Bürgern war die Exposition mit höheren Konzentrationen von Pyrethroiden nach 14 Jahren Beobachtungszeit mit einer 50 % höheren Gesamtsterblichkeit und einer dreifach erhöhten Herz-Kreislaufsterblichkeit assoziiert.

Hintergrund

Die Pyrethroide sind die weltweit am zweithäufigsten eingesetzte Klasse von Insektiziden. Sie kamen zwar bereits Anfang der 1990er-Jahre in den Verdacht, sich im menschlichen Nervensystem anzureichern und dadurch zu Nervenschädigungen zu führen. Allerdings ist die Beweislage nicht eindeutig und zu den langfristigen Auswirkungen einer Exposition auf die menschliche Gesundheit ist wenig bekannt.

Design

Ziel der Studie war es, die Assoziation zwischen Pyrethroid-Expositionen und der Gesamtmortalität sowie der krankheits-spezifischen Mortalität in den USA zu untersuchen. Dazu wurde eine repräsentative Stichprobe von 2116 Erwachsenen ab 20 Jahren ausgewertet, die zwischen 1999 und 2002 am US National Health and Nutrition Examination Survey teilgenommen hatten, und für die der Pyrethroid-Metabolit 3-Phenoxybenzoesäure im Urin gemessen worden war.

Ergebnisse

  • Während einer medianen Beobachtungszeit von 14,4 Jahren waren 246 Studienteilnehmer verstorben, darunter 41 an Herz-Kreislauferkrankungen und 52 an Krebs.
  • Die Teilnehmer wurden anhand der 3-Phenoxybenzoesäure-Konzentrationen im Urin in drei gleichgroße Gruppen (Tertile) aufgeteilt. Im Tertil mit den niedrigsten Konzentrationen waren 8,5 % verstorben, im mittleren Tertil 10,2 % und im oberen Tertil 11,9 %.
  • Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, soziökonomischen Status, Ernährungs- und Lebensstilfaktoren und Body-Mass-Index sowie die Kreatinin-Spiegel im Urin ergaben sich für die Mortalität beim Vergleich des oberen mit dem unteren Tertil folgende Chancenverhältnisse (HR):
    • Gesamtmortalität: 1,56 (95%-Konfidenzintervall 1,08 – 2,26)
    • Herz-Kreislauf-Sterblichkeit: 3,00 (95%-KI 1,02 – 8,80)
    • Krebssterblichkeit: 0,91 (95%-KI 0,31 – 2,72)

Klinische Bedeutung

Die Umweltbelastung durch Pyrethroide war in dieser repräsentativen Stichprobe der US-Bevölkerung mit einem erhöhten Risiko für Gesamt- und Herz-Kreislaufsterblichkeit verbunden, wogegen für die Krebssterblichkeit kein erhöhtes Risiko nachgewiesen wurde. In einem Kommentar bemerken die Epidemiologen Steven D. Stellman und Jeanne Mager Stellman (Columbia University, New York) zwar, dass die Ergebnisse der Studie vorsichtig interpretiert werden müssten, weil bislang eine derartig starke Erhöhung der kardiovaskulären Risikos lediglich für das Rauchen gefunden wurde und möglicherweise andere Faktoren im Spiel sein könnten. Andererseits sei der Nachweis von Pyrethoiden in einer geographisch diversen Population angesichts der kurzen Halbwertszeit ein Hinweis auf eine chronische Exposition, deren Quellen man nachgehen müsse. Weitere Studien müssten folgen, auch um abzuschätzen ob Insektenkontrollprogramme wie Sprühaktionen gegen das West-Nil-Virus in New York City weiterhin als unbedenklich gelten dürften.

Finanzierung: National Institutes of Health.