Urologen und Andrologen: Hodenkrebs braucht mehr Aufmerksamkeit

  • Thomas Kron, Dr. med.
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Auch beim Hodenkrebs gilt: Je früher er erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Urologen und Androlden betonen daher den Wert der Selbstuntersuchung. Anlass des Appells sind unter anderem mehrere Fälle von Hodenkrebs bei Profi-Fussballern innerhalb weniger Monate. Dies habe zu vielen Anfragen beim Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BvDU) und der Deutschen Gesellschaft für Andrologie e.V. (DGA) dazu geführt, ob Profi-Kicker ein erhöhtes Hodenkrebs-Risiko hätten und ob Vorsorge möglich sei.

Laut derzeitigem Stand gebet es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass ein höheres Risiko bestehe, sodass aktuell von einer Koinzidenz ausgegangen werde, teilen der Berufsverband und die Fachgesellschaft mit. „Durch die gehäuften Fälle im Profi-Fußball innerhalb nicht einmal eines halben Jahres wurde die Öffentlichkeit sensibilisiert“, so Catrin Steiniger, Präsidentin des BvDU e.V. und Fachärztin für Urologie. „Auch ohne bewiesenen Zusammenhang bleibt die generelle Gefahr einer Hodenkrebs-Erkrankung, bisher größtenteils ein Tabu-Thema, bestehen – insbesondere für jüngere Männer. Die meisten jungen Männer wissen gar nicht, dass sie die Altersgruppe sind, die Hodentumore bekommen kann." Ein Umstand, der sich dank des offenen Umgangs der Fußballer mit ihrer Krankheit derzeit zu ändern scheine. „Neben dem Alter gibt es weitere Risikofaktoren für eine Hodenkrebserkrankung, die alle jungen Männer kennen sollten“, ergänzt die Präsidentin der DGA, Professor Dr. Sabine Kliesch, Chefärztin des Centrums für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA) an der Universität Münster.

Risikofaktoren und Prognose

Hodenkrebs ist die häufigste Krebserkrankung junger Männer. Rund 4000 Neuerkrankungen werden jedes Jahr in Deutschland gezählt. Am häufigsten erkranken Männer zwischen dem 20. und dem 44. Lebensjahr. Ein erhöhtes Risiko besteht nach einer Vorerkrankung mit einseitigem Hodenkrebs, einem Hodenhochstand in der Kindheit, Hodenkrebserkrankungen von Vater oder Brüdern sowie Unfruchtbarkeit.

Eine Früherkennungsuntersuchung für junge Männer im Rahmen des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms gibt es in Deutschland nicht. Deshalb sei es wichtig, eigenverantwortlich zu handeln, betonen die Urologen und Andrologen. Denn auch bei Hodenkrebs seien die Heilungschancen umso besser, je früher das Malignom entdeckt werde. Rund 95 Prozent der Männer mit Hodenkrebs werden wieder gesund.

Der Berufsverband verweist auf die bereits seit Jahren erfolgreiche Kampagne „Hodencheck“ in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), für die Früherkennung von Hodenkrebs. Allen Jungen und Männern zwischen 14 und 45 Jahren wird empfohlen, die Hoden einmal im Monat abzutasten. Bei Auffälligkeiten sollte eine urologische Untersuchung zur Abklärung erfolgen. Männern mit den genannten Risikofaktoren wird zu besonderer Aufmerksamkeit geraten. Sie sollten nicht nur auf die regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden achten, sondern zusätzlich eine fachärztliche urologische Abklärung wahrnehmen. „Urologinnen und Urologen sind bereit für die Untersuchungen“, so BvDU-Präsidentin Catrin Steiniger.

Vor der Orchiektomie Syphilis-Diagnostik

Der Berufsverband fordert darüber hinaus, die Hodenkrebs-Vorsorge als Früherkennungsuntersuchung für junge Männer in das gesetzliche Krebsfrüherkennungsprogramm aufzunehmen.Nicht alles, was auf den ersten Blick wie ein Hodentumor aussieht, ist allerdings tatsächlich ein Hodentumor. Auf eine wichtige Differenzialdiagnose zu Hodentumoren haben kürzlich Urologen der Universität Graz hingewiesen: und zwar auf abszedierende und granulomatöse Orchitiden. Ihr Rat: Bei negativen Hodentumor-Markern - und insbesondere bei zeitgleich bestehendem Exanthem - sollte vor einer Orchiektomie eine Syphilis-Serologie durchgeführt werden. Anlass  für den Hinweis war die Krankengeschichte eines 45-jährigen Mannes.

Wie Dr. Lukas Koch und seine Kollegen berichten, suchte der Mann aufgrund einer seit zwei Jahren bestehenden, rezidivierenden Makrohämaturie einen niedergelassenen Urologen auf. Aufgrund der Verdachtsdiagnose eines malignen Hodentumors wurde eine Orchiektomie rechts vorgenommen. Vor der Operation sei ein generalisiertes makulopapulöses Exanthem aufgefallen, so dass auch der Verdacht auf eine Syphilis erwogen wurde. Eine serologische Untersuchung habe dann auch tatsächlich eine Frühsyphilis ergeben. Ein Hautbiopsat habe eine lymphoplasma-zelluläre Dermatitis mit angedeuteten kleinen Granulomen gezeigt, was gut vereinbar mit einem Exanthem bei Syphilis sei. In einem nachfolgenden Gespräch habe der Mann dann über einen Sexualkontakt im Ausland drei Monate zuvor berichtet.