Urologen-Fachgesellschaft kritisiert HTA-Bericht zur Fusionsbiopsie und reicht Stellungnahme ein

  • Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) kritisiert einen vorläufigen Health-Tech­no­logy-Assessment-Bericht (HTA) zur Fusionsbiopsie bei Verdacht auf Prostatakrebs . Im Gegensatz zum Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hält die DGU die Fusi­ons­biopsie im Vergleich zur bisher üblichen transrektalen oder transperinealen Ultraschallbiopsie für geeignet, die Diagnostik bei Männern mit einem Verdacht auf Prostata­krebs zu verbessern. Dies gelte vor allem mit Blick auf die Konsequenzen für die Festlegung des anschließenden Behandlungs-Procederes.

Gezieltere Biopsie durch Kombination mit mpMRT

Bei der Fusionsbiopsie wird vor der eigentlichen Biopsie eine bildgebende Darstellung der Prostata mittels multiparametrischer Magnetresonanztomografie (mpMRT) vorgenommen und hinsichtlich möglicher Prostatakarzinomherde bewertet. Die anschließende Fusion der MRT-Bilder mit den Echtzeit-Ultraschallbildern ermöglicht eine gezieltere Biopsie verdächtiger Areale.

Bessere Unterscheidung des Tumors in klinisch signifi­kante und insignifikante Formen

„Aus Sicht der DGU ist es eindeutig, dass die MRT-Fusionsbiopsie einen deutlichen pa­tien­­tenrelevanten Nutzen für die bessere Unterscheidung des Tumors in klinisch signifi­kante und klinisch insignifikante Formen aufweist“, sagt der DGU-Generalsekretär Mau­rice Stephan Michel. Darunter falle nicht nur die Reduktion der Anzahl von Biopsien bei MRT-Fusionsbiopsien und einer damit einhergehenden höheren Patientenakzeptanz aufgrund einer reduzierten Morbidität, sondern vor allem die nun folgende Konsequenz in der Festlegung des Procedere, heißt es in der Stellungnahme der Fachgesellschaft.

So könne laut DGU im Fall der Identifikation eines signifikanten Tumors eine kurative Therapie eingeleitet werden. „Im Fall eines insignifikanten Tumors besteht die Möglichkeit, und zwar mit einer besseren Datenbasis als bisher, dem Patienten das Konzept Active Surveillance anzubieten“, so Michel.

Auch der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) hat bereits seine Vorbehalte gegenüber dem IQWiG-Bericht öffentlich gemacht und die medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Urologen und Radiologen um eine Stellungnahme zur patientenrelevanten Qualität der Fusionsbiopsie ersucht.