Urologen-Fachgesellschaft kritisiert abschließende IQWiG-Nutzenbewertung des PSA-Screenings

  • Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Auch im Abschlussbericht hält das Institut für Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) trotz großer Einwände seitens nationaler und internationaler Fachgesellschaften seine Einschätzung zum PSA-Screening aufrecht. Danach könne der Nutzen eines generellen PSA - Screenings für Männer ohne Verdacht auf Prostatakrebs den dadurch entstehenden Schaden nicht aufwiegen. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) äußert abermals offene Kritik an der IQWIG-Nutzenbewertung.

Interpretation des Begriffs „Screening“ irreführend

Erneut sei das IQWIG bei seiner Interpretation des Begriffs „Screening“ analog zur Bewertung des kontrovers diskutierten Mammografie-Screenings vorgegangen, heißt es im aktuellen Positionspapier der DGU. Damit legt das IQWIG seiner Bewertung zugrunde, dass bei einem Prostatakrebs-Screening mittels PSA-Test alle Männer in einem bestimmten Alter unabhängig von Begleiterkrankungen und Risikoprofil zu einem PSA-Test aufgefordert werden.

Die Realität sehe laut DGU jedoch anders aus: „Im Unterschied zu dem vom IQWiG betrachteten systematischem, rein altersbezogenem Screening mittels PSA , erfolgt seit Jahren gemäß der gängigen Leitlinien, eine risikoadaptierte PSA-Diagnostik als Baustein der Prostatakarzinomfrüherkennung. Dabei handele es sich um das so genannte „opportunistische Screening“.

Des Weiteren bemängelt die Fachgesellschaft die Auswahl der für die Bewertung hinzugezogenen Studien. Während das IQWIG „zwar die Plausibilität des Konzepts einer PSA-basierten Frühdiagnostik dezidiert eingeräumt hat, wurde letztendlich aber auf die 2028 zu erwartenden Ergebnisse der ProScreen-Studie aus Finnland und der Göteborg-Studie hingewiesen, anstatt neuere Ergebnisse der PROBASE-Studie zu berücksichtigen, die noch Ende des Jahres publiziert werden“, betont die DGU.

Leistung der GKV noch vor 2028

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie ist mit den anderen an der Behandlung der Prostatakarzinompatienten beteiligten Fachgesellschaften der Meinung, dass nicht bis 2028 gewartet werden sollte, um die individualisierte Früherkennung des Prostatakarzinoms unter Einbeziehung des PSA-Wertes allen Männern als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen zu ermöglichen. Nur so könne eine rechtzeitige Erkennung und Therapie des häufigsten Tumors des Mannes gewährleistet werden und das vermehrte Auftreten von metastasierten Erkrankungsstadien verhindert werden, lautet das Fazit der DGU.