Unbehandelte Praxis-Hypertonie für Herz und Gefäße langfristig ein Risiko

  • Annals of Internal Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Patienten mit Praxis-Bluthochdruck, die nicht behandelt werden, haben langfristig ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und auch ein erhöhtes Sterberisiko.

Hintergrund

Manche Patienten sind beim Arztbesuch so aufgeregt, dass sie nur in der Praxis einen überhöhten Blutdruck aufweisen („Praxis-Hypertonie“ bzw. „Weißkittel-Hochdruck“). Das kardiovaskuläre Langzeit-Risiko dieser Patienten sei relativ unbekannt, begründen die Autoren der aktuellen Metaanalyse ihre Arbeit. 

Design

Ausgewertet wurden 27 Studien, an der 25.786 Patienten mit behandelter und unbehandelter Praxis-Hypertonie sowie 38.487 Personen mit normalem Blutdruck teilnahmen. Die Beobachtungsdauer betrug drei bis 19 Jahre. 

Hauptergebnisse

  • Im Vergleich zu Personen mit normalem Blutdruck haben Patienten mit unbehandelter Praxis-Hypertonie ein um relative 36 Prozent erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (Hazard Ratio 1,36, 95% CI 1,03 - 2,00); ihr Sterberisiko (Gesamt-Mortalität) ist den Berechnungen nach um 33 Prozent höher (HR 1,33, CI 1,07 - 167), das kardiovaskuläre Sterberisiko um 109 Prozent (HR 2,09; CI 1,23 - 4,48). 
  • Ein Zusammenhang zwischen Praxis-Hypertonie und Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wurde allerdings nur in Studien festgestellt, in denen das Durchschnittsalter der Patienten mindestens 55 Jahre war, und in Studien mit Teilnehmern, bei denen die Anamnese positiv für Herz- und Gefäß- sowie chronische Nieren-Erkrankungen oder Diabetes mellitus war.

Hier die Ergebnisse für Patienten mit behandeltem Praxis-Hypertonus:

  • Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse: plus 12 Prozent, aber nicht signifikant (HR 1,12; CI 0,91 - 1,39)
  • Gesamt-Sterberisiko: plus 11 Prozent, ebenfalls nicht signifikant (HR 1,11, CI 0,89 - 1,46)
  • Kardiovaskuläres Sterberisiko: plus vier Prozent (HR 1,04, CI 0,65 - 1,66).

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse stützen die bestehenden Leitlinien (USA und Europa); sie sprechen für die Bedeutung regelmäßiger Blutdruck-Kontrollen außerhalb der Praxis (Selbstmessungen und Langzeit-Blutdruckmessungen). Regelmäßige Kontroll-Messungen sind, wie die Autoren der Metaanalyse betonen, insbesondere bei den Patienten mit Praxis-Hypertonie erforderlich, die nicht antihypertensiv behandelt werden. Ambulante Blutdruck-Langzeitmessungen oder Selbstmessungen sind aber nicht allein bei Praxis-Hypertonie sinnvoll bzw. nötig. Ein großer Wert dieser Messungen ist zudem, eine maskierte Hypertonie erkennen zu können, also eine Hypertonieform mit normalen Blutdruckwerten in der Praxis und erhöhten Werten im Alltag in der ambulanten Blutdruck-Langzeitmessung oder in der Selbstmessung. 

Finanzierung: National Institutes of Health