Umfrage-Resultat: Therapie nach Schilddrüsen-OP nicht immer optimal

  • Deutsche Medizinische Wochenschrift

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Werden bei einer Schilddrüsen-Operation die Nebenschilddrüsen beschädigt oder mitentfernt, müssen die Patienten vorübergehend oder dauerhaft Kalzium und Vitamin D einnehmen. Dies gelingt einer Umfrage zufolge in der hausärztlichen Versorgung nicht immer optimal: Manche Patienten sind einige Monate nach der Operation überversorgt, andere unterversorgt. Hinzu kommt, dass die Hormon- und Kalzium-Werte zum Teil nicht regelmäßig kontrolliert werden.

Postoperative Umfrage zur hausärztlichen Versorgung

Über 75.000 Schilddrüsen-Operationen werden laut Krankenhaus-Report 2017 jährlich in Deutschland durchgeführt. Dabei werden manchmal die Nebenschilddrüsen beschädigt oder entfernt. Die Folge ist ein Kalziummangel. Die Patienten müssen dann regelmäßig Kalzium einnehmen, außerdem Vitamin D, um die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm zu steigern. Ärzte vom Schilddrüsenzentrum an der Raphaelsklinik in Münster haben anhand eigener Patienten-Daten die Qualität der Nachbehandlung nach einer totalen Entfernung der Schilddrüse bewertet. Dafür haben sie 117 Patienten acht Monate nach der Operation oder später untersucht und zur Behandlung durch ihren Hausarzt befragt. Bei 62 Patienten (53 Prozent) war direkt nach der Operation ein Hypoparathyreoidismus festgestellt worden. Die übrigen 55 Patienten (47 Prozent) hatten nach der OP normale Hormonwerte.

Manchmal zu wenig, häufiger zu viel

Wie Erik Allemeyer und seine Mitarbeiter berichten, hatten bei der Nachuntersuchung nur noch sieben der 62 Patienten einen Hormonmangel. Bei den anderen hatten sich die Nebenschilddrüsen erholt. Sechs nahmen weiterhin Kalzium und Vitamin D ein. Bei vier von ihnen waren die Kalzium-Werte jedoch immer noch zu niedrig. Dr. Allemeyer spricht von einer Unterversorgung. Er rät daher zu häufigeren Laborkontrollen, um einen Abfall der Kalzium-Werte frühzeitig zu erkennen. 

Häufiger als eine Unter- war jedoch eine Überversorgung: So hatten 26 von 117 Patienten, also über 23 Prozent, die bei der Nachuntersuchung gar keinen Parathormonmangel hatten, Kalzium und Vitamin D verordnet bekommen. Dies sollte wegen der hohen jährlichen Therapiekosten und möglicher Nebenwirkungen vermieden werden, schreiben Allemeyer und seine Kollegen. 

Insgesamt lassen sich nach Angaben der Autoren aus den Umfrage-Resultaten folgende Zielparameter ableiten:

  • Engmaschige Nachsorge
  • Ausreichende Substitutionstherapie für alle Patienten mit einem permanenten Hypoparathyreoidismus
  • Zeitgerechte Beendigung der Substitutionstherapie für alle Patienten mit normwertigem Parathormon. 
Finanzierung der Umfrage: keine Angaben