Umfassende S3-Leitlinie zur Versorgung von Menschen mit Schizophrenie

  • DGPPN

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Nach mehrjähriger Arbeit haben annähernd 40 Verbände und Organisationen unter Federführung der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) eine neue Leitlinie zur Schizophrenie herausgegeben.

Hintergrund

Nach Angaben der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sind in Deutschland rund 400.000 Menschen von Schizophrenie betroffen. Es gäbe „vielfältige Behandlungsansätze mit guten Wirksamkeitsbelegen“ heißt es in einer Pressemitteilung zur neuen Leitlinie. Evidenzbasierte Empfehlungen zum Zusammenspiel dieser Behandlungsmöglichkeiten, aber auch zur strukturierten Diagnose im Vorfeld sind zwei wesentliche Elemente der neuen Leitlinie für eine bessere Versorgung der Patienten.

Design

Die Leitlinie des höchsten Evidenzgrades wurde initiiert und koordiniert von der DGPPN. 37 weitere Verbände und Organisationen waren am Konsensusprozess beteiligt. Auf 359 Seiten werden 162 Schlüsselempfehlungen und 8 Statements unterbreitet, sowie 1044 Literaturangaben gelistet. Dokumentiert wird auch die Ablehnung der Konsultationsfassung durch den Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener, in der unter anderem eine zwangsweise Unterbringung bei Selbst- oder Fremdgefährdung als Verstoß gegen die UN-Menschenrechtskonvention bezeichnet wird.

Ausgewählte Ergebnisse (Statements und A-Empfehlungen)

  • Antipsychotika sollen so niedrig wie möglich dosiert und als Monotherapie angeboten werden.
  • Die Behandlung mit Antipsychotika verringert gegenüber einer Nicht-Behandlung die Wiederaufnahmerate.
  • Das Rezidivrisiko ist ein Jahr nach Absetzen von Antipsychotika von 27 % auf 65 % annähernd verdoppelt und bleibt im Verlauf von 3 – 6 Jahren weiterhin erhöht.
  • Es soll eine strukturierte Psychoedukation im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplanes ausreichend lange und möglichst in Gruppen angeboten werden. Generell soll eine kognitive Verhaltenstherapie angeboten werden.
  • Menschen mit einer Schizophrenie haben ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko für metabolische und kardiovaskuläre Erkrankungen, für Krebserkrankungen, für Lungenerkrankungen, sowie für andere somatische Komorbiditäten.
  • Spätestens bei einer antipsychotikainduzierten Gewichtszunahme > 7 % sollen Ernährungsberatung, Psychoedukation, Bewegungsprogramme etc. zur Prävention einer Gewichtszunahme oder zur Gewichtsreduktion angeboten werden, danach ein Behandlungsversuch mit Metformin.
  • Die jährlichen direkten Pro-Kopf-Kosten für die Versorgung lagen in Deutschland „in den Jahren 2001 bis 2008 zwischen ca. 10545 € und 25144 € inklusive aller psychiatrischen Maßnahmen der stationären, ambulanten und rehabilitativen Sektoren. Dabei fehlt es sowohl an Daten zur Kosteneffektivität von Antipsychotika, als auch für die psychotherapeutische Behandlung.

Klinische Bedeutung

„Aus therapeutischer Sicht ist … entscheidend, dass bei einem an einer schizophrenen Psychose leidenden Menschen zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung ein nach seinen individuellen Besonderheiten adäquates Angebot aus psychotherapeutischen, psychosozialen und pharmakologischen Elementen zum Einsatz kommt“, sagt Prof. Andreas Heinz, Präsident der DGPPN. Dafür wird es jedoch außer einer hohen Akzeptanz für die neue Leitlinie auch einer entsprechenden personellen Ausstattung bedürfen.

Finanzierung: Maßgeblich DGPPN.