Ulkus-Prophylaxe bei Intensivpatienten: nur bei Kombination mehrerer Risikofaktoren sinnvoll


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine generelle Stressulkus-Prophylaxe bei intensivmedizinisch behandelten Patienten mit dem Ziel, schweren gastrointestinalen Blutungen vorzubeugen, ist nicht nötig und wäre eine Übertherapie. Eine große randomisierte, placebokontrollierte Studie an europäischen Zentren ergibt: Die Gabe eines Magensäurehemmers als Routine-Prophylaxe bei Intensivpatienten verhindert keine schweren Komplikationen und senkt die Mortalität nicht (1).

Hintergrund
Stressulzera sind Läsionen der Schleimhaut des oberen Gastrointestinaltraktes, die bei Intensivpatienten häufiger auftreten als bei anderen stationär versorgten Patienten, vor allem, wenn Verbrennungen und Poly- oder Schädel-Hirn-Traumata behandelt werden. Ursache für die Ulzera ist eine stressbedingte Erhöhung der Magensäureproduktion. Kommt es zu schweren Blutungen, erhöht sich die Mortalität der Patienten deutlich. Zur Prophylaxe wird oft ein Säurehemmer verabreicht, um die Magensäureproduktion zu senken und damit den pH-Wert zu erhöhen, und in einigen internationalen Leitlinien wird dieses Vorgehen auch generell empfohlen (2). Aber wie sinnvoll ist es? Eine prospektive, randomisierte und placebokontrollierte Studie an 33 europäischen Zentren hat diese Frage untersucht.

Design

  • Teilnehmer: 3298 erwachsene Patienten mit intensivmedizinischer Akutversorgung und mindestens einem Risikofaktor für klinisch relevante gastrointestinale Blutungen, zum Beispiel
    • septischer Schock,
    • Therapie mit Antikoagulantien,
    • Dialyse,
    • Lebererkrankung oder
    • künstliche Beatmung
  • Randomisierung 1 : 1 in eine Gruppe, die Placebo erhielt (n = 1695), und in eine zweite Gruppe mit Pantoprazol-Therapie (n = 1653)
  • Primärer Endpunkt: Sterblichkeit 90 Tage nach stationärer Aufnahme

Hauptergebnisse

Von 3282 Patienten waren Daten für den primären klinischen Endpunkt auswertbar. Nach 90 Tagen waren 510 Patienten (31,1 %) in der Pantoprazol-Gruppe gestorben und 499 (30,4 %) im Placebo-Arm. Damit lag das relative Risiko, im 90-Tages-Zeitraum zu sterben, in der Pantoprazol-Gruppe bei 1,02 (p = 0,76). Dies war kein statistisch relevanter Unterschied zwischen den beiden Studienarmen. In der Pantoprazol-Gruppe hatten 2,5 % gastrointestinale Blutungen und im Placebo-Arm 4,2 %. Aus diesem Unterschied ergaben sich allerdings keine weiteren bedeutenden klinischen Komplikationen. So war zum Beispiel weder das Risiko für schwere gastrointestinale Blutungen, noch für Pneumonien, myokardiale Ischämie oder Clostridium-Infektionen erhöht.

Klinische Bedeutung

Die Studie hatte nicht die statistische Power, um zu zeigen, dass Pantoprazol die Häufigkeit gastrointestinaler Blutungen bei Intensivpatienten mit erhöhem Risiko senkt und die Intervention zu einer Reduktion der Mortalität führt, kommentiert Prof. Dr. med. Dr. Hagen Huttner vom Universitätsklinikum Erlangen in einer Pressemitteilung (3). „Aus den Studienergebnissen lassen sich keine allgemeinen Behandlungsempfehlungen ableiten“, meint Huttner. Die Therapieentscheidung erfolge auf Basis einer individuellen Risikoabschätzung. „Die Ulkus-Prophylaxe scheint dann sinnvoll zu sein, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen oder bei kritisch kranken Patienten, die über Wochen oder Monate auf der Intensivstation behandelt werden müssen.“

Finanzierung: Innovation Fund Denmark