Übersichtsstudie: Medikamente mit Effekten auf das Körpergewicht

  • Wharton et al., Medications that cause weight gain and alternatives in Canada: a narrative review, Diabetes Metab Syndr Obes. 2018; 11: 427–438. doi: 10.2147/DMSO.S171365

  • von Karl-Heinz Patzer
  • Medizinische Nachrichten
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Welche Medikamente machen dick? Welche führen zu Gewichtsverlusten? Dieser Frage ist eine Studie kanadischer Forscher nachgegangen. Sie untersuchten Wirkstoffe auf die unerwünschte Nebenwirkung einer Gewichtsveränderung.

Hintergrund

Medikamente können mit einer Vielzahl von Nebenwirkungen assoziiert sein. Unerwünschte Gewichtszunahme ist eine davon.1,2  Da Übergewicht das Risiko für zahlreiche Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Hypertonie oder Herzinsuffizienz erhöht, ist es wichtig, dass behandelnde Ärzte die negativen Auswirkungen von Arzneimitteln auf das Körpergewicht ihrer Patienten berücksichtigen. Allerdings gibt es dazu bislang nur spärlich wissenschaftlich fundierte Informationen. Zuletzt publizierte Übersichtsarbeiten zu diesem Thema liefern nur Schätzwerte für Medikamentenauswirkungen auf das Körpergewicht der Patienten.3,4 Der jetzt vorliegende Review von Jean Wharton et al. aus Toronto gibt erstmals einen umfassenden Überblick über die mit einer Gewichtszunahme verbundenen Medikamente.

Design

Zu den Arzneien, bei denen bislang ein Zusammenhang zwischen Verwendung und Gewichtsveränderung dokumentiert ist, wurden Metaanalysen vorhandener klinischer Studien hinsichtlich der Gewichtseffekte verschiedener Wirkstoffklassen durchgeführt. Die Effekte wurden in Übersichtstabellen dargestellt und in Größenordnungen von kleiner, gleich oder größer ein Kilogramm Gewichtsveränderung bis hin zu kleiner oder größer drei Kilogramm sichtbar gemacht. Untersucht wurden Wirkstoffe aus dem Bereichen Antipsychotika und Stimmungsaufheller, Antidepressiva, Antidiabetika, Blutdrucksenker und Kortikoide.

Hauptergebnisse

Die Studie ergab, dass Medikamente zur Bekämpfung von Psychosen, Depressionen, erhöhten Blutzuckerwerten und Bluthochdruck sowie Medikamente, die Kortison und andere Glucocorticoide enthalten, etwa zur Therapie von Asthma, Hauterkrankungen, entzündlichen Krankheiten oder Rheuma eingesetzt werden, zu einer Gewichtszunahme führen können. Konkret wird damit eine Gewichtszunahme von mehr als 2 Kilogramm pro Monat ab Tabletteneinnahme definiert.

Die jeweils größten Zunahmeeffekte zeigten die Wirkstoffe Chlorpromazin, Clozapin, Haloperidol, Lithium und Olanzapin (Antipsychotika), Phenelzin, Tranylcypromin und Citalopram (Antidepressiva), Insulin, Chlorpropamid, Gliclazid, Glyburid, Tolbutamid, Pioglitazon und Rosiglitazon (Antidiabetika), Atenolol (Blutdrucksenker) sowie Cortison, Prednisolon und Prednison (Kortikoide).

Klinische Bedeutung

Bei unerwünschten Gewichtsveränderungen eines Patienten sollte der behandelnde Arzt einen möglichen Einfluss der Medikation berücksichtigen und unter Umständen die Dosierung des Medikaments anpassen. Oftmals reicht es, wenn betroffene Patienten der Gewichtszunahme durch vermehrte Bewegung und verbesserte Ernährungsgewohnheiten begegnen. Sind all diese Maßnahmen nicht erfolgreich, sollte ein Wechsel des Medikaments in Betracht gezogen werden.

Finanzierung

Eine finanzielle Unterstützung der Studie wird nicht erwähnt. Sean Wharton, Direktor der gleichnamigen Klinik in Toronto nennt als Interessenskonflikt Zuwendungen von Novo Nordisk, Eli Lilly, Janssen and Astra Zeneca.