Übersichtsarbeit bewertet Gewaltrisiko bei Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen

  • Lanct Psychiatry

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Das Risiko, dass psychisch kranke Menschen, gewalttätig werden, variiert erheblich mit der Diagnose. Während sich beim Autismus kaum ein Unterschied zur Allgemeinbevölkerung findet, sind Männer mit Substanzmissbrauch bis zu 16 Mal öfter gewalttätig, Frauen sogar 32 Mal.

Hintergrund

Mögliche Assoziationen zwischen psychischen Erkrankungen und Gewalt sind von medizinischem, juristischem und gesellschaftlichem Interesse.

Design

Strukturierte Übersichtsarbeit mit einem Schwerpunkt auf qualitativ hochwertigen Studien und bestätigten Befunden mit Forschungsarbeiten zum populationsbasierten Risiko, die auf 2.425.703 Menschen beruhen, unter Berücksichtigung von Gesetzeskonflikten in der Vergangenheit und gleichzeitigem Substanzmissbrauch, sowie mit der Begutachtung nationaler Leitlinien.

Ergebnisse (Auswahl)

  • Störungen des schizophrenen Spektrums: > 20 Studien zeigen ein erhöhtes Gewaltrisiko mit einem Chancenverhältnis OR von 3,0 bzw. 4,0 bei Männern und 7,5 bzw. 7,9 bei Frauen je nachdem, ob man populationsbasierte Studien oder systematische Reviews zugrunde legt. Das Risiko, einen Mord zu begehen, war um das 19,5-fache erhöht, das absolute Lebenszeitrisiko dafür (0,3 %) wurde als gering bezeichnet,
  • Bipolare Störung: OR für Gewalt von 3,7 (populationsbasierte Studie) bzw. 4,6 (Review),
  • Depression: OR 2,9 (populationsbasierte Studie),
  • ADHS: OR 1,8 (populationsbasierte Studie) bzw. 3,6 (Review),
  • Persönlichkeitsstörung: OR 2,7 bzw. 3,0,
  • Substanzmissbrauch: OR 16,2 für Männer und 36,0 für Frauen (populationsbasierte Studie) bzw. 7,4 für beide Geschlechter (Review).

Klinische Bedeutung

Die Quantifizierung beruht auf relativ wenigen Arbeiten, deren Auswahlkriterien zwar nachvollziehbar, aber nicht standardisiert waren. Als Faustregel kann dennoch gelten, dass die Rate von Gewaltverbrechen über einen Zeitraum von 5 – 6 Jahren bei Substanzgebrauch am höchsten ist (> 10 %), gefolgt von Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie (6 – 10 %) und anderen psychischen Erkrankungen (

Finanzierung: National Institute for Health Research.