Überlebensvorteil bei multimorbiden älteren Brustkrebspatientinnen durch adjuvante Chemotherapie?

  • JAMA Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Etwa jede 5. ältere, multimorbide Patientin mit Östrogen-Rezeptor- und nodal-positivem Brustkrebs, die in einer US-amerikanischen Kohortenstudie untersucht wurde, erhielt eine adjuvante Chemotherapie. Bei diesen Frauen war der Brustkrebs im Durchschnitt weiter fortgeschritten als in der Kontrollgruppe ohne Chemotherapie, dennoch überlebten sie nach Adjustierung für verzerrende Faktoren signifikant länger.

Hintergrund

Mit dem Alter nimmt das Brustkrebsrisiko bei Frauen ebenso zu, wie die Wahrscheinlichkeit von Begleiterkrankungen. Für Patientinnen mit Lymphknotenbefall mangelt es an Daten zur Assoziation zwischen einer adjuvanten Chemotherapie und dem Überleben.

Design

Retrospektive Kohortenstudie mit 1592 Patientinnen ab 70 Jahren (inklusive 3,1 % Männer), deren Daten in der US National Cancer Database erfasst waren. Sie hatten Östrogen-Rezeptor-positive, ERBB2/HER2-negative Mammakarzinome, einen Komorbiditätswert nach Charlson/Deyo von 2 oder 3 und waren wegen des nodal-positiven Mammakarzinoms zwischen 2010 und 2014 operiert worden. Gegenübergestellt wurden bei möglichst gleichen Persönlichkeitsmerkmalen (Propensity score matching) 350 Personen, die eine adjuvante Chemotherapie erhalten hatten, und 1242 ohne adjuvante Chemotherapie.

Ergebnisse

  • Patienten mit Chemotherapie waren jünger (durchschnittlich 74 gegenüber 78 Jahren), hatten größere Primärtumoren (pT3/T4 20,6 versus 14,7 %), und mehr befallene Lymphknoten (21,4 versus 6,5 % mit pN3, aber 52,0 versus 75,4 % mit pN1).
  • Patienten unter einer Chemotherapie erhielten auch mehr andere adjuvante Behandlungen wie endokrine Therapien (88,3 versus 82,5 %) und Strahlentherapie (67,4 versus 43,5 %).
  • Nach einer medianen Nachverfolgungszeit von 43,1 Monaten fand sich zwischen den beiden Kohorten kein statistisch signifikanter Unterschied beim medianen Gesamtüberleben (78,9 gegenüber 62,7 Monaten, P = 0,13).
  • Nach Adjustierung für verzerrende Faktoren war die Chemotherapie allerdings mit einem besseren Überleben assoziiert (Chancenverhältnis HR 0,67 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,48 – 0,93; P = 0,02).

Klinische Bedeutung

Die retrospektive Studie scheint nahezulegen, dass die involvierten Ärzte jene Patientinnen sorgfältig ausgewählt haben, deren Leben aufgrund „bestimmter, nicht gemessener Variablen“ durch eine Chemotherapie verlängert wurde, interpretieren die Studienautoren. In einem begleitenden Kommentar weisen mehrere Onkologen auf die „delikate Balance“ zwischen Quantität und Qualität des Lebens hin, wenn über den Einsatz der Chemotherapie bei älteren Patienten mit mehreren belastenden Faktoren entschieden werden muss. Der letzte Punkt konnte mangels Daten hier nicht untersucht werden, sollte aber nicht außer Acht gelassen werden.

Finanzierung: Teilweise finanziert durch das National Cancer Institute.