Typ-2-Myokardinfarkt: kardiovaskuläre Mortalität junger Menschen langfristig erhöht

  • J Am Coll Cardiol

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Junge Patienten mit einem Typ-2-Myokardinfarkt haben langfristig eine höhere Gesamt- und kardiovaskuläre Mortalität als Patienten mit Typ-1-Infarkt.

Hintergrund

Beim Typ-2-Infarkt besteht ein Ungleichgewicht zwischen myokardialer Sauerstoffversorgung und -nachfrage, das nicht mit einer akuten Koronarobstruktion zusammenhängt. Beim Myokardschaden besteht ebenfalls ein solches Ungleichgewicht, aber keine klinisch manifeste myokardiale Ischämie. Infolge der vermehrten Diagnostik mit besonders empfindlicher Troponin-Tests werden Typ-2-Infarkte zunehmend häufiger diagnostiziert.

Typ-2-Infarkte gehen mit einer erhöhten Kurzzeit-Mortalität einher, was dadurch zu erklären ist, dass vor allem alte Menschen betroffen sind, die zudem chronische Begleiterkrankungen einschließlich einer KHK haben. Es mangelt allerdings an Daten zu jüngeren Patienten und auch an Langzeit-Daten.

Design

Ausgewertet wurden Register-Daten von 3829 Patienten aus einem Zeitraum von 17 Jahren. Die Patienten waren höchstens 50 Jahre alt und hatten Troponin-Werte oberhalb der 99. Perzentile (oder CK-MB-Werte). Die Patienten wurden unterteilt in Patienten mit Typ-1-Infarkt (55%), Typ-2-Infarkt (32%) oder myokardialem Schaden (13%). Die mediane Beobachtungszeit betrug 10,2 Jahre.

Hauptergebnisse 

  • Die höchste Mortalitätsrate hatten Patienten mit Myokardschaden (45,6 Prozent), gefolgt von Patienten mit Typ-2-Infarkt  (34,2 Prozent). Am geringsten war die Mortalitätsrate beim Typ-1-Infarkt  (12 Prozent).
  • Statistische Berechnungen ergaben für den Typ-2-Infarkt im Vergleich zum Typ-1-Infarkt deutlich erhöhte Risiko-Werte bei der Gesamt-Mortalität (Hazard Ratio: 1,8; CI: 1,2 - 2,7; p = 0,004) und der kardiovaskulären Mortalität (HR: 2,7; 95% CI: 1,4 - 5,1; p = 0,003).
  • Patienten mit Typ-2-Infarkt oder myokardialem Schaden waren jünger und hatten weniger kardiovaskuläre Risikofaktoren (im Mittel 42 und 41 Jahre versus 45). Allerdings hatten sie mehr nicht-kardiovaskuläre Begleitkrankheiten (Sepsis, Herzrhythmusstörungen, Hypoxie und/oder respiratorisches Versagen). Außerdem war der Anteil der Frauen beim Typ-2-Infarkt und Myokardschaden größer als beim Typ-1-Infarkt (43,3 und 40,2 Prozent versus 19,3 Prozent).
  • Darüber hinaus erhielten Patienten mit Typ-2-Infarkt oder Myokardschaden bei Entlassung aus dem Krankenhaus nicht so häufig kardiovaskulär wirksame Medikamente verordnet.

Klinische Bedeutung

Da dieser Studie zufolge bei Patienten mit Typ-2-Infarkt auch die kardiovaskuläre Mortalität langfristig erhöht ist, sollte auch bei ihnen eine intensive Sekundärprävention betrieben werden (etwa Blutdruck-Kontrolle, Diabetes-Management, Lipidsenkung). In Studien, etwa der MINOCA-BAT-Studie , werden derzeit Beta-Blocker, ACE-Hemmer und Sartane bei Infarkt-Patienten ohne Koronarobstruktion geprüft. Autoren eines begleitenden Kommentars empfehlen außerdem, bei Patienten mit Typ-2-Infarkt oder Myokardschaden stets die exakte Ursache dafür zu klären. 

Eingeschränkt wird die Aussagekraft der Studie insbesondere durch eine vermutlich nicht einheitliche Vorgehensweise der beteiligten Kliniken bei der Infarkt-Klassifikation.

Finanzierung: keine Angaben