Typ-2-Diabetes und koronare Herzerkrankung: US-Empfehlungen veröffentlicht

  • Circulation

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften 

Typ-2-Diabetes und koronare Herzerkrankung treten oft gemeinsam auf. In den letzten Jahren ist zunehmend erkannt worden, dass die Stoffwechselerkrankung einen erheblichen Einfluss auf Verlauf und Therapie der KHK hat; zudem sind einige neue antidiabetische Therapien verfügbar geworden, von denen gefordert wird, dass sie zumindest kardiovaskulär sicher sind. Die „American Heart Association“ hat dazu am Ostermontag eine umfangreiche Stellungnahme im Fachmagazin „Circulation veröffentlicht. 

„Jüngste wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes möglicherweise aggressivere oder andere medizinische und chirurgische Behandlungen benötigen als Menschen mit CAD, die keinen T2D haben", sagte die US-Kardiologin Dr. Suzanne V. Arnold, Professorin an der Universität von Missouri in Kansas City und Erstautorin der Stellungnahme. 

Eine Auswahl der Empfehlungen

Metformin ist das am häufigsten empfohlene blutzuckersenkende Medikament bei Typ-2-Diabetikern. Metformin führt manchmal zu einem leichten Gewichtsverlust, ist zumindest neutral in Bezug auf kardiovaskuläre Wirkungen, ausserdem kostengünstig und sicher.

Für SGLT2-Inhibitoren sind der Stellungnahme zufolge deutliche kardiovaskuläre Vorteile gezeigt worden. Zudem gibt es Belege für renoprotektive Effekte. Für GLP-1-Rezeptoragonisten seien die Studiendaten zum kardiovaskulären Nutzen weniger homogen. Für einige GLP-1-Rezeptoragonisten ist allerdings eine Reduktion des Risikos schwerwiegender Ereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle gezeigt worden. 

Für ältere Erwachsene kann laut der Stellungnahme eine etwas „liberalere“ Blutzuckerkontrolle von Vorteil sein, da so das Risiko einer Hypoglykämie verringert werden kann. „Eine Hypoglykämie trifft das Herz unglaublich hart und sollte besonders bei älteren Patienten vermieden werden“, sagt Arnold. 

 „ASS ist möglicherweise für viele Menschen mit CAD geeignet, wirkt jedoch bei Menschen mit T2D und CAD möglicherweise nicht so effektiv. Daher sollten neuere, stärkere Thrombozyten-Aggregationshemmer in Betracht gezogen werden. Da alle Plättchenhemmer das Blutungsrisiko erhöhen, ist bei jedem Patienten sorgfältig das Nutzen-Risiko zu beurteilen. 

Da Diabetes-Kranke häufig auch Bluthochdruck haben, benötigen sie in der Regel Antihypertensiva. Für die meisten Patienten sei ein Zielwert von unter 140/90 mmHg ausreichend, empfehlen die Autoren. Bei Patienten, die noch zusätzliche Risikofaktoren für einen Schlaganfall oder mikrovaskuläre Komplikationen hätten, sollten Werte unter  130/80 mmHg angestrebt werden. Blutdrucksenker der ersten Wahl seien ACE-Hemmer und Sartane. 

Typ-2-Diabetiker haben häufig Fettstoffwechsel-Störungen und ein dadurch erhöhtes Atherosklerose-Risiko. „Möglicherweise sind aggressivere Schritte erforderlich, um den Cholesterinspiegel bei Menschen mit T2D zu verbessern. Statine können den Blutzuckerspiegel zwar leicht erhöhen. Die allgemeine Reduzierung des kardiovaskulären Risikos ist aber weitaus vorteilhafter. Blutzuckerveränderungen sind kein Grund, die Verschreibung von Statinen für Menschen mit Typ-2-Diabetes zu vermeiden “, so die US-Kardiologin. Einige Patienten mit CAD und T2D können auch von einer Senkung des Cholesterinspiegels mit anderen Lipidsenkern profitieren. So seien bei LDL-C-Werten über 70 mg/dl trotz maximaler Statintherapie Ezetimib und PCSK9-Hemmer indiziert. Nicht empfohlen wird Niacin. Fibrate seien bei Triglyzerid-Werten über 500 mg/dl zur Reduktion des Pankreatitis-Risikos zu empfehlen. Icosapentethyl sollte erwogen werden, wenn der Triglyzerid-Spiegel trotz maximal möglicher Statintherapie über 135 mg/dl liegt. 

Die Autoren der Stellungnahme betonen allerdings, dass kein Medikament einen gesunden Lebensstil ersetzt. „Unabhängig davon, welche neuen Medikamente es gibt, bleiben eine herzgesunde Ernährung, das Erreichen und Aufrechterhalten eines gesunden Gewichts, regelmäßige körperliche Aktivität und die Behandlung von Schlafstörungen die wichtigsten Eckpfeiler der Behandlung von T2D und Herz-Kreislauf-Erkrankungen “, so Arnold.