Typ-2-Diabetes: GLP-1-Rezeptor-Agonist vielleicht eine Option auch für Kinder

  • New England Journal of Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes, bei denen eine Metformin-Monotherapie mit oder ohne Insulin nicht ausreichend wirkte, hat Liraglutid zusätzlich zu Metformin den Blutzucker effektiv gesenkt. Nachteil: vermehrt gastrointestinale Nebenwirkungen.

Hintergrund

Da die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Adipositas steigt, gibt es auch mehr junge Menschen, die an einem Typ-2-Diabetes erkranken. Für die medikamentöse Therapie bei Kindern und Jugendlichen, die an Typ-2-Diabetes erkrankt sind, ist Metformin - wie bei älteren Diabetes-Patienten - eine Option. Die Monotherapie mit Metformin reicht allerdings nicht immer aus. Damit stellt sich die Frage, wie bei unzureichender Blutzucker-Kontrolle unter Metformin-Monotherapie weiter vorgegangen werden sollte. Eine Möglichkeit ist die Kombination von Metformin (mit oder ohne Basal-Insulin) mit Liraglutid. In der vorliegenden Studie wurden Sicherheit und Effektivität dieser Therapie geprüft.

Design

An der Phase-3-Studie nahmen Kinder und Jugendliche mit Typ-2-Diabetes teil, die zehn bis 16 Jahre alt waren (Durchschnittsalter 14,6 Jahre). Ihr BMI lag über der 85. Perzentile, der HbA1c-Wert zwischen 7,0% und 11,0% bei alleiniger Behandlung mit Diät und Bewegung oder zwischen 6,5% und 11,0% bei Metformin-Therapie (mit oder ohne Insulin). 66 Patienten erhielten Liraglutid (sc. bis zu 1,8 mg/die), 68 bekamen Placebo. Während der Studie erhielten alle Patienten Metformin. Die volle Liraglutid-Dosis von 1,8 mg erreichten knapp 50 Prozent der Patienten. Der verblindeten Phase mit einer Dauer von 26 Wochen folgte eine ebenso lange offene Phase. Primärer Endpunkt war die Änderung des HbA1c-Wertes innerhalb der ersten 26 Wochen. 

Hauptergebnisse

  • In der Liraglutid-Gruppe nahm der HbA1c-Wert innerhalb von 26 Wochen um 0,64 Prozentpunkte ab, in der Placebo-Gruppe stieg er um 0,42 Prozentpunkte. Die Differenz betrug demnach 1,06 Prozentpunkte (p
  • Nach insgesamt 52 Wochen betrug die Differenz 1,30 Prozentpunkte (minus 0,50 unter Liraglutid und plus 0,80 unter Placebo).
  • Knapp 85 Prozent der Patienten mit Liraglutid gaben Nebenwirkungen an, in der Placebo-Gruppe betrug der Anteil fast 81 Prozent. Häufigste Nebenwirkung war Übelkeit  (28,8% in der Liraglutid-Gruppe, 13,2% in der Placebo-Gruppe), gefolgt von Erbrechen (25,8% versus 8,8%).
  • Kein signifikanter Unterschied wurde beim BMI-Z-Score beobachtet (minus 0,25% versus minus 0,21%; p = 0,39).

Klinische Bedeutung

Liraglutid zusätzlich zu Metformin erwies sich als effektiver Blutzuckersenker bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes. Der Preis dafür: mehr gastrointestinale Beschwerden, obgleich weniger als die Hälfte der Patienten die volle Tagesdosis von 1,8 mg Liraglutid erhielten. Die Beschwerden waren allerdings in der Regel leicht.

Insgesamt sprechen die Ergebnisse dafür, dass der GLP-1-Agonist eine neue Option in der Therapie von sehr jungen Menschen mit Typ-2-Diabetes werden könnte. Der Wirkstoff könnte nach der Zulassung durch FDA und EMA die klinische Praxis ändern, so die US-Diabetologin Dr. Silva Arslanian (Universität von Pittsburgh). 

Finanzierung: Novo Nordisk