Typ-1-Diabetes sollte jeder Arzt diagnostizieren können


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Bei immer mehr Kindern wird Diabetes vom Typ 1 diagnostiziert. Derzeit erkranken pro Jahr knapp 23 auf 100.000 Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 15 Jahren. Die Rate an Neuerkrankungen steigt jährlich um rund drei bis vier Prozent. Die Ursachen für diesen Anstieg sind bislang unbekannt. Diabetes mellitus Typ 1 stellt im Kindesalter die häufigste Stoffwechselerkrankung dar. Im Vergleich dazu tritt eine Erkrankung an Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen relativ selten auf.

Das Erkrankungsrisiko für Geschwister eines Kindes mit Typ-1-Diabetes geben die Autoren einer zertifizierten Fortbildung im Deutschen Ärzteblatt mit rund fünf Prozent an. Ist ein Elternteil erkrankt, liegt das Risiko zwischen fünf und sieben Prozent. Je früher die Erkrankung erkannt und mithilfe einer Insulintherapie behandelt wird, desto besser lassen sich Folgeschäden in Grenzen halten. Schon bevor der Autoimmunprozess in Gang kommt, können Kinder mit familiär bedingt erhöhtem Risiko für Typ-1-Diabetes auch durch genetische Untersuchungen identifiziert werden. Die Vererbung scheint aber bei Typ 1 eine geringere Rolle zu spielen als bei Diabetes Typ 2, wie man aus Konkordanzstudien an Zwillingen weiß.

Da immer die Gefahr einer Ketoazidose besteht, ist es wichtig, dass jeder Arzt und insbesondere auch Pädiater diese Diagnose stellen und so schnell reagieren können. Die Diagnose stützt sich auf die Messung des Blutzuckers und die klinische Symptomatik wie gesteigertem Durst, einer krankhaft erhöhten Urinausscheidung und Gewichtsabnahme. In den meisten Fällen wird die Diagnose nach der Beschreibung dieser Symptome kombiniert mit einer Glukosemessung gestellt. Auffällige klinische Zeichen können aber auch Bauchschmerzen, schwere Atmung, Erbrechen und ein reduzierter Allgemeinzustand sein. Die häufigsten Akutkomplikationen sind neben Ketoazidosen Hypoglykämien. Dieses Risiko ist besonders bei Kinder im Kleinkindalter besonders hoch.

Steht die Diagnose, sollten die erkrankten Kinder so schnell wie möglich an Kollegen mit Schwerpunkt Kinderdiabetologie überwiesen werden. Dort werden dann der HbA1c und diabetesassoziierte Antikörper gemessen und ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt. Die Betreuung durch ein spezialisiertes Diabetesteam dürfe sich nicht verzögern, weder bis zum nächsten Tag und schon gar nicht über das Wochenende, so die Verfasser der Fortbildung.

Nachgewiesen ist die Bedeutung einer möglichst wohnortnahen Betreuung. Liegt die Praxis des Kinderdiabetologen zu weit weg, führt dies nachweislich zu einer schlechteren Stoffwechseleinstellung verbunden mit häufigeren und längeren stationären Aufenthalten. Die Autoren fordern deshalb eine flächendeckende Versorgung mit pädiatrisch diabetologischen Behandlungseinrichtungen.