Typ-1-Diabetes: IQWiG fordert regelmäßige Aktualisierung der DMP


  • Karl-Heinz Patzer
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussage

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) empfiehlt die Überarbeitung der Disease-Management-Programme (DMPs) zu Typ-1-Diabetes in regelmäßigen Abständen. Nur so sei sichergestellt, dass die bundesweit geltenden inhaltlichen Vorgaben, die in einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) verankert sind, dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens entsprechen.

Leitlinienanalyse

Das IQWiG hatte im Auftrag des G-BA die geltenden evidenzbasierten Leitlinien zu Diabetes mellitus Typ 1 recherchiert. Laut Abschlussbericht wird die regelmäßige Überprüfung bei allen Versorgungsaspekten empfohlen. Insbesondere sei dies jedoch hinsichtlich des Vermeidens von Unterzuckerungen mithilfe moderner Technologien und bei Patienten-Schulungen der Fall. Im Vorbericht hatten diese beiden Themen noch weniger im Vordergrund gestanden. Der Grund: Das Institut konnte fünf neue Leitlinien in seine abschließende Bewertung mit einschließen - insgesamt wurden nun 37 Leitlinien in die Analyse aufgenommen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler extrahierten aus den vorhandenen Leitlinien insgesamt 2817 Empfehlungen, die sich auf verschiedenste Versorgungsaspekte wie Diagnostik, Therapie oder die Kooperation der beteiligten Berufsgruppen beziehen. Inhaltlich überprüft wurden die Empfehlungen jedoch nicht.

Zusammenfassung

Wie das IQWiG beim Abgleich von Leitlinien-Empfehlungen und G-BA-Richtlinie feststellte, ist eine Überarbeitung unter anderem beim Vermeiden von Hypoglykämien geboten. Dies sei mittlerweile auch bei Typ-1-Diabetes ein wichtiges Therapieziel. Dazu gibt es inzwischen eine ganze Reihe moderner technischer Hilfsmittel, die Patienten helfen, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Immer häufiger eingesetzt wird etwa das kontinuierliche Glukose-Monitoring (CGM), bei dem Sensor-Elektroden unter der Haut platziert werden. Einige Geräte bieten eine Alarmfunktion, die eine drohende Unterzuckerung anzeigt. Kombiniert man die CGM mit der Insulinpumpe, kann die Insulingabe automatisch gestoppt oder gedrosselt werden, was unter anderem nächtliche Unterzuckerungen vermeiden helfen soll. Diese neuartigen Technologien bleiben bislang im DMP unberücksichtigt. Des weiteren fehlen laut IQWiG in der DMP-Richtlinie konkrete inhaltliche und zeitliche Vorgaben für Patienten-Schulungen. Laut neueren Leitlinien können Wiederholungsschulungen aber viele Patienten unterstützen, etwa wenn sie Schwierigkeiten haben, die Therapie-Empfehlungen im Alltag umzusetzen. Zudem gibt es in den Leitlinien mittlerweile diverse Empfehlungen, die als „gesunde Lebensweise“ umschrieben werden können. Dabei geht es nicht nur um Tabak- und Alkoholkonsum, sondern auch um Ernährung und Bewegung. Das Institut empfiehlt, diese Empfehlungen unter einem Gliederungspunkt „Lebensstilmanagement“ zu bündeln und inhaltlich zu erweitern. Unterschiedliche Aussagen stellt das Institut im Hinblick auf die Art des Insulins fest, das zur Behandlung des Typ-1-Diabetikes empfohlen wird. Während das DMP von Humaninsulin als „Mittel der Wahl“ ausgeht, betrachten die neuen Leitlinien Insulinanaloga inzwischen als gleichwertig. Bei diesen vier Aspekten, also neue Technologien, Patienten-Schulungen, Lebensstilmanagement und Insulinanaloga, schätzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Überarbeitungsbedarf im Abschlussbericht höher ein als noch im Vorbericht.